Pflanzenbau | 17. February 2014

Wie haben sich die EU-Sorten geschlagen?

Von Dr. Christine Amann, LTZ Augustenberg
Ergänzend zu den Landessortenversuchen (LSV) liefern die EU-Sortenprüfungen (EUP) zusätzliche Erkenntnisse über die Maissorten, die in anderen EU-Ländern zugelassen und somit auch bei uns vertriebsfähig sind. Nachfolgend die Ergebnisse der EU-Sortenprüfungen mit Körnermais 2013.
Gerade beim Körnermais zahlt sich eine optimal standortangepasste Sortenwahl aus – neue, leistungsfähigere Sorten müssen schnellstmöglich der Praxis zur Verfügung gestellt werden, das Zusammenspiel der verschiedenen Versuche hilft dabei und liefert neutrale Ergebnisse.
In den EU-Sortenprüfungen  werden unter anderem Maissorten auf ihre regionale Anbauwürdigkeit in Deutschland geprüft.  Beteiligt an diesem Verfahren sind die für die LSV  zuständigen Länderdienststellen, das Bundessortenamt sowie das Deutsche Maiskomitee  (DMK). Die Teilnahme an der EUP ist jedem Züchter oder Züchtervertreter freigestellt.
Ziel dieses Prüfsystems ist es, auch für diese Maissorten bundesweit objektive Versuchsergebnisse unter den klimatischen Bedingungen in den jeweiligen Anbaugebieten zu erarbeiten, die der Beratung und der Praxis eine Orientierung über das Leistungsvermögen geben. Neutrale Versuchsergebnisse sind entscheidend für die Sortenwahl.
Das EUP-Prüfsystem sieht vor, dass frühestens nach zwei Jahren und bei ausreichender Leistung die Aufnahme in den Landessortenversuch erfolgt. Erst dann ist der Vergleich mit bereits regional bedeutenden oder neu national zugelassenen Sorten möglich. Da die EU-Sorten auf 17 bis 24 Standorten in Deutschland geprüft werden, steht eine sehr aussagekräftige Datenbasis zur Verfügung. Zur Beurteilung der EU-Prüfsorten werden die Ergebnisse nach regionalen und klimatischen Gesichtspunkten zusammengefasst.
Frühes Prüfsortiment
Das frühe Sortiment stand 2013 an vier, 2012 an fünf Standorten in Süddeutschland. Baden-württembergische Zahlen kamen 2012 vom Standort Neuenstein im Hohenlohischen. Im Vorjahr lagen die Erträge mit etwa 123 dt/ha im Durchschnitt deutlich (minus 6 dt/ha) unter denen von 2012. Das Erntegut war dabei mit zirka 70 % Trockensubstanz recht feucht. Lager trat stärker auf als 2012, auch Stängelfäule war 2013 an drei der vier Standorte deutlich.
 Die EU-Prüfung nach zwei Jahren abgeschlossen haben die folgenden vier Sorten.
  • Am ertragsstärksten war LG 30.217 mit einem Relativertrag von 99,4 %. Die Sorte verfehlte knapp das Niveau der Verrechnungssorten und war 2013 deutlich schwächer als 2012. In der Abreife etwas später, wurde sie mit einer Körnerreifezahl von K230  als mittelfrüh eingestuft.
  • Wifaxx war ertraglich ungefähr  2 % darunter, reifte aber früher ab (K220) und zeigte wenig Lager. Negativ war der erhöhte Stängelfäulebefall.
  • Tokala liegt mit relativ 96,9 % im Ertrag auf ähnlichem Niveau. Sie wurde ebenfalls mit K220 eingestuft, zeigte aber eine leicht spätere Reife. Auch bei Tokala war das Lager relativ gering.
  • Oberst erwies sich als früh abreifende Sorte (K210) mit schwächeren Erträgen, besonders 2013. Die Lagerzahlen waren deutlich erhöht.
Einjährig geprüfte Körnermaissorten
Von den sechs einjährig geprüften Sorten war P 8025 am ertragsstärksten und lag mit relativ 102,3 % etwa 2 bis 3 % über der Verrechnungssorte Ricardinio bei vergleichbarer Abreife; die Sorte hatte wenig Lager und Stängelfäule. MAS 17.G zeigte die früheste Abreife der geprüften Sorten und dabei ein Ertragsniveau in Höhe der Verrechnungssorten. Negativ fiel der hohe Befall mit Stängelfäule auf, Lager hatte die Sorte dagegen kaum. Auf dem dritten Rang der neuen Sorten liegt Santimo (relativ 99 %) mit überdurchschnittlichen Trockensubstanzen im Korn. Bei Santimo war die Anzahl lagernder Pflanzen deutlich erhöht. Plenty liegt im Ertrag zurück, die Sorte ist offensichtlich standfest und reift überdurchschnittlich früh ab. Vitores war mit knapp 94 % recht ertragsschwach, reifte aber sehr früh ab und hatte keine Probleme mit der Standfestigkeit. Die Sorte P 8200 enttäuschte mit einem Relativertrag von etwa 90 % bei gleichzeitig sehr später Reife. Auch das erhöhte Lager fiel negativ auf, während der Stängelfäulebefall eher als gering einzustufen war.
Mittelfrühes Prüfsortiment
Der Zuchtfortschritt ist auch bei Mais geradezu Voraussetzung für eine umweltverträgliche und wettbewerbsfähige Ackerkultur.
Die mittelfrühen Sorten wurden 2013 an fünf Standorten und 2012 an sechs Standorten in Süddeutschland geprüft. Baden-württembergische Standorte waren Ladenburg und Lichtenau. Im Mittel war  das Ertragsniveau 2013 mit 120,1 dt/ha sehr viel niedriger als im Vorjahr (144,5 dt/ha) bei gleichzeitig geringeren Trockensubstanzgehalten im Korn. Lager trat 2013 stärker auf mit deutlicher Sortendifferenzierung, Stängelfäule war 2013 an zwei der fünf Standorte von Bedeutung.
Im zweiten Prüfjahr standen folgende vier Sorten:
  • ES Cockpit war mit einem Relativertrag von 101,1 % am ertragsstärksten und reifte entsprechend einer Körnerreifezahl von K240 ab. Lager trat bei Cockpit wenig auf, auch Stängelfäule war nicht auffällig.
  • Danubio und SY Multitop verfehlten beide mit 99,5 % knapp das Niveau der Verrechnungssorten und liegen bei einer Körnerreife von etwa  K240, wobei SY Multitop etwas früher abreift. Multitop war die standfestere Sorte, zeigte aber mehr Stängelfäule als Danubio.
  • Schwächere Erträge trotz späterer Abreife (K250) brachte  Embelixx, der auch überdurchschnittliche Lagerzahlen zeigte.

Einjährig geprüfte Sorten
Unter den acht neuen Sorten im ersten Prüfjahr war Maxxens mit Abstand die ertragsstärkste, allerdings auch die späteste. Sie scheint recht standfest zu sein, hatte aber erhöhten Befall mit Stängelfäule. Auch DS0493B zeigte ein hohes Ertragsniveau und reifte bei mittleren Trockensubstanzgehalten mit wenig Lager, aber stärkerem Stängelfäulebefall ab. Früheste Sorte war Moncherie, die trotz der sehr frühen Reife ertraglich mit 100,6 % über den Verrechnungssorten lag. Moncherie hatte vermehrt Lager und Stängelfäule.
P 8523 zeigte Erträge knapp über 100 % und eine ebenfalls mittlere Abreife. Die Neigung zu Lager und die Anfälligkeit für Stängelfäule sind offensichtlich gering. Baymondo reift früh ab mit leicht unterdurchschnittlichen Erträgen. Während er verstärkt Lager zeigte, war der Stängelfäulebefall sehr gering. Die Sorten Vitally und DKC 3530 liegen in der Ertragsleistung deutlicher zurück, haben aber beide eine sehr frühe Kornabreife. Vitally zeigte auffällig viele lagernde Pflanzen, während DKC 3530 so gut wie kein Lager, aber deutlich Stängelfäule aufwies. Tierixx war ebenfalls ertragsschwach, ansonsten aber durchschnittlich in den Eigenschaften.
Mittelspätes bis spätes Prüfsortiment
Das mittelspäte bis späte Sortiment wurde in Baden-Württemberg und Bayern 2012 an acht Standorten und 2013 an sieben Standorten geprüft. Bei den späten Sorten lag das Ertragsniveau 2013 mit knapp 128 dt/ha im Mittel der Orte zwar am höchsten, aber weit unter den Ergebnissen des Vorjahres (150,6 dt/ha). An den Trockensubstanzgehalten im Korn von durchschnittlich 67,9 % lässt sich die schlechte Abreife im Jahr 2013 ablesen. Lager war insgesamt ausgeprägter als 2012, der Stängelfäulebefall differierte zwischen den Sorten deutlich.
Im zweiten Jahr der EU-Prüfung standen die nachfolgend beschriebenen vier Sorten.
  • Am überzeugendsten präsentierte sich Ferarixx mit einem Relativertrag von 105,5 % und einer Körnerreife, die K280 entspricht; auch bei der Standfestigkeit und Stängelfäuleresistenz schnitt Ferarixx gut ab.
  • Im Ertrag auf Rang 2 liegt MAS 35.K, die als späteste Sorte in der Prüfung mit K290 eingestuft wurde. Die Sorte zeigte verstärkt Lager und Stängelfäule.
  • ES Flato reift mit einer Körnerreifezahl von K270 recht gut ab, zeigte dabei besonders 2012 gute Erträge und ansonsten keine Schwächen.
  • Ebenfalls mit K270 eingestuft, aber im Ertrag mit relativ knapp 100 %  deutlich schwächer ist Exxotika. Die Lagerneigung war bei ihr sehr gering.

Einjährig geprüfte Sorten
Das Sortiment des ersten Prüfjahrs war mit zehn Sorten recht umfangreich. Am besten schnitt die Sorte DKC 3623 ab. Sie zeigte mit relativ 104,1 % das höchste Ertragsniveau und war dabei sogar die früheste Sorte und relativ standfest; negativ fiel der erhöhte Stängelfäulebefall auf. DKC 3830 und Axxys zeigten ebenfalls überdurchschnittliche Erträge und  nahezu identische Abreife – beide Sorten waren recht standfest. P 9175 und DKC 3931 lagen im Ertrag etwa auf dem Niveau der Verrechnungssorten, dabei war P 9175 recht spät und zeigte mehr Lager und Stängelfäule. Farmgigant und auch

P 9203 hatten beide unterdurchschnittliche Erträge. P 9203 ist recht früh, Farmgigant wies schlechtere Werte bei Lager und Stängelfäule auf. Exxclusiv, Drops und Marteli CS konnten mit schwächeren Leistungen im Ertrag nicht überzeugen. Exxclusiv und Marteli CS waren standfeste Sorten mit wenig Stängelfäule, Drops reifte spät ab und zeigte die meisten Lagerpflanzen.