Land und Leute | 18. February 2014

Von den Erfahrungen anderer profitieren

Von Gisela Ehret
In den beiden vorangegangenen Folgen ging es um Tipps für Landwirtsfamilien, die überlegen, „Urlaub auf dem Bauernhof” anzubieten. Dieses Mal schildern Anbieterinnen und Anbieter, welche Erfahrungen sie in Sachen Bau und Marketing gemacht haben.
Auf dem Winzerhof Maienbrunnen in Ihringen wird derzeit gehämmert und geschraubt. Um ein Domizil für die Nachfolgegeneration zu schaffen, baute die Familie Kiss ein neues Haus auf dem Aussiedlerhof. Das Erdgeschoss bewohnt fortan die junge Familie, die oberen beiden Stockwerke werden als Ferienwohnungen vermietet. Im Dezember 2012 war Baubeginn, im April werden die ersten Gäste erwartet. Ursprünglich sollten die Wohnungen ab Februar bezugsfertig sein. Doch es gab Verzögerungen. „Die Bauphase war anstrengender als erwartet”, berichtet Stefanie Kiss. Das Wetter machte der Winzerfamilie zu schaffen, sodass es oft schwer war, den Kopf für den Bau frei zu kriegen. „Die geplanten Eigenleistungen wurden oft zur Bedrohung.” Auch bei den Handwerkern ergaben sich nicht vorhergesehene Wartezeiten. „Wenn wir bis Mitte März fertig werden, sind wir zufrieden”, sagt Stefanie Kiss. Im Moment wird der Außenbereich um das Haus gestaltet.
Viele Anfragen übers Kontaktformular
Erst wenn die Bauarbeiten am Hof beziehungsweise für die Ferienwohnungen abgeschlossen sind, fühlen sich Feriengäste wohl. Sie wollen nicht auf oder an einer Baustelle wohnen.
Ferienwohnungen gibt es auf dem Maienbrunnenhof seit Anfang der 80er-Jahre. Deshalb konnte das junge Betriebsleiterpaar bei der Planung auf den großen Erfahrungsschatz der Schwiegereltern zurückgreifen. Anregungen holte sich Stefanie Kiss aber auch in der FIT-Schulung und mehreren Landvielfalt-Seminaren. Hierbei half ihr besonders der Austausch mit anderen Anbieterinnen von Ferienwohnungen. Die Familie setzte sich lange im Vorfeld mit der Erweiterung auseinander und steckte Vorstellungen ab, bevor anschließend Architekt, Baubehörden und Landwirtschaftsamt hinzugezogen wurden. Da sich der Hof im Außenbereich befindet, war das Genehmigungsverfahren nicht ganz einfach.
Vor zwei Jahren hat Familie Kiss ihre Homepage komplett überarbeitet. „Wir basteln ständig daran herum”, sagt sie. Das Einpflegen von Inhalten übernimmt eine Agentur aus Stuttgart für sie. Deren Inhaber lernte Stefanie Kiss bei einem ihrer Seminare als Dozent kennen. Im Herbst 2013 stellte die Familie auf der Homepage ein Foto des Neubaus und einen Grundrissplan ein. Seit Anfang des Jahres kommen laufend Anfragen.
Die Homepage ist bei Familie Kiss das wichtigste Vermarktungsinstrument. „Die meisten nutzen das Kontaktformular”, sagt Stefanie Kiss. Das Internet will sie zukünftig verstärkt nutzen, zum Beispiel indem sie freie Termine laufend veröffentlicht oder einen Newsletter entwirft. Dazu kommt die Listung in Gastgeberverzeichnissen wie Urlaub auf dem Bauernhof oder Kaiserstühler Winzerhöfe. Daneben will die Familie ihren Hausprospekt neu gestalten, sobald die Wohnungen eingerichtet sind. Auch eine DTV-Klassifizierung steht dann an. Die Richtlinien für die Beurteilung haben die Bauherren berücksichtigt, sofern sie ihren eigenen Vorstellungen entsprachen. In anderen Bereichen verzichteten sie bewusst darauf. Beispielsweise haben die Wohnungen nun eine Wohnküche statt einem getrennten Wohn-Ess-Bereich, wie es der DTV fordert. 
Familie Saier aus Breitnau hat seit 2012 zusätzlich zu ihren beiden Ferienwohnungen ein neu renoviertes Ferienhaus im Angebot. Das ehemalige Knechtshaus des Vogtsjockelshofs war dringend sanierungsbedürftig gewesen, es hatte durchs Dach geregnet. Auf der Homepage unter „Aktuelles” hielt die Familie die Besucherinnen und Besucher  über den Baufortschritt auf dem Laufenden. Sie spielten regelmäßig Fotos und kurze Berichte ein. „Das hat sich gelohnt”, berichtet Veronika Saier: Schon während der Bauphase kamen so Anfragen für das Haus. Die Vermietung läuft gut: „Wer schon hier war, bucht bei der Abreise gleich für das nächste Jahr”, sagt Saier.
Das neue Haus hat 100 Quadratmeter Wohnfläche, bis zu sechs Personen finden darin Platz. Saier berichtet, das Landwirtschaftsamt habe ihr damals abgeraten von einer so großen Ferienwohnung. „Aber es läuft richtig gut.” Beratung in der Planungs- und Bauphase holte sich die Familie von Beginn an, vor allem im Landwirtschaftsamt. „Damit sind wir sehr zufrieden”, sagt Saier. 
Werbung macht die Familie über die Hochschwarzwald-Tourismus-GmbH und über Flyer. Diese werden auch am Ferienhaus oben prominent platziert, wo viele Wanderer und Spaziergänger vorbei kommen. Aber auch bei Familie Saier kommen die meisten Anfragen übers Internet. Die Homepage der Familie  ist zweisprachig – dadurch erhält sie  auch viele Anfragen aus dem Ausland. Vor vier oder fünf Jahren haben die Saiers ihren Onlineauftritt überarbeitet. Gepflegt wird die Homepage komplett von einer Werbeagentur  in Staufen. Selbst die Fotos vom Hof hat die Agentur geschossen. „Dafür zahlen wir ungefähr 200 Euro im Jahr”, sagt Saier. Aber ihr ist Professionalität wichtig: „Ich würde nichts anderes mehr machen.”
Auf eine Klassifizierung ihrer Ferienwohnungen verzichtet die Familie mittlerweile. „Unsere Wohnungen sind zu klein, sodass wir ohnehin nicht mehr als drei Sterne bekommen können”, begründet sie die Entscheidung. Dafür sei ihnen die Klassifizierung zu teuer gewesen, und manches Bewertungskriterium erschien ihnen nicht nachvollziehbar. Für Veronika Saier ist das Gästeurteil entscheidender: „Die Gäste sind zufrieden, sie vermissen nichts”, sagt sie. „Und sie fragen gar nicht nach Klassifizierung.”
Familie Häckler betreibt seit vergangenem Juli ihren Ferienhof Häckler im oberschwäbischen Ochsenhausen. Hier im Landkreis Biberach gibt es bisher nur drei Höfe mit Ferienwohnungen, ein Markt dafür besteht also. Vor Baubeginn sprach Betriebsleiter Norbert Häckler viel mit Kollegen über sein Vorhaben. Einer von ihnen sagte damals: „Wir locken durch ein größeres Angebot eher Kunden an, als dass wir sie uns gegenseitig wegnehmen.” Denn die Region hat mit ihren Sehenswürdigkeiten und der reizvollen Landschaft großes Tourismuspotenzial. „Die Buchungen für die nächste Urlaubssaison laufen schon, bald sind wir voll”, berichtet Häckler. Vergangenes Jahr waren alle sieben Ferienwohnungen von der Eröffnung im Juli bis Ende August ausgebucht. 
Noch vor Beendigung des Baus im vergangenen Mai vermietete die Familie die erste fertige Wohnung. Sie kam jedoch wieder davon ab –  „Bauen und vermieten gleichzeitig geht einfach nicht”, sagt Häckler heute. Seine Wohnungen sind mit vier Sternen des Deutschen Tourismus-Verbands (DTV) klassifiziert. Schon vor dem Bau hatte Norbert Häckler die Richtlinien des DTV verinnerlicht, weil er das Ziel von vier Sternen vor Augen hatte. Da er die Ferienwohnungen neu baute, konnte er die Kriterien recht einfach erfüllen.
Die Familie ging die Homepage frühzeitig an: Bereits im November 2012 begann Ehefrau Christine Häckler sich mit einem Programmierer zusammen an deren Gestaltung zu machen. Zu Weihnachten startete der Internetauftritt, und bereits im Januar gab es Buchungen – obwohl zu diesem Zeitpunkt noch keine Fotos von den Wohnungen zur Verfügung standen. Viele Anfragen kamen über die Homepage der LAG Urlaub auf dem Bauernhof. Laut Häckler sind Anfragen übers Telefon heutzutage die Ausnahme: „Die Homepage ist das A und O”, sagt er. „99 Prozent unserer Buchungen laufen über das Internet. Auch der Erstkontakt findet fast immer über diesen Weg statt.” Wichtig sei allerdings, dass die Online-Belegungspläne gepflegt werden. Denn die Suchmaschinen vieler Urlaubsportale sortieren nach deren Aktualität. Bei Familie Häckler wird jede Buchung sofort dort eingetragen.