Land und Leute | 27. Juli 2020

Abtauchen ins Mittelalter und in eine Schlucht

Von Katja Brudermann
Auf zwei sehr unterschiedliche Weisen gilt es im Bodenseegebiet in ganz eigene Welten einzutauchen: Der Campus Galli bei Messkirch steht ganz im Zeichen des frühen Mittelalters. Und die Klingenbachschlucht auf der Höri lässt für ein paar Wanderkilometer jegliches Zeitgefühl vergessen.
Wie lebte es sich so im frühen Mittelalter? Wie wurde gearbeitet? Antworten auf solche Fragen gibt es im Campus Galli bei Messkirch.
Einen ganzen Arbeitstag lang kann es dauern, bis drei Männer einen Baumstamm zu einem bautauglichen Balken verarbeitet haben. Geht das nicht schneller? Natürlich, mit moderner Technik ist so ein Balken in wenigen Minuten in Form gebracht. Der Campus Galli jedoch ist ein Experiment. Auf dem Gelände nahe Messkirch beschränkt man sich bewusst auf jene Techniken, die Menschen bereits im 9. Jahrhundert unserer Zeitrechnung im Einsatz hatten.
Die Idee ist, den St. Galler Klosterplan aus dem Jahr 830 n. Chr. mit seinen 52 Gebäuden original nachzubauen. Eine kleine Holzkirche wurde bereits fertiggestellt. Darüber hinaus bietet das Gelände eine faszinierende und facettenreiche Zeitreise ins frühe Mittelalter. An diversen Stationen wird gewerkelt, gekocht, getöpfert, geflochten.
Wer hier arbeitet, trägt Kleidungsstücke, die in Material, Zuschnitt und Färbung dem frühen Mittelalter nachempfunden sind. Nur die Schuhe nicht, es sind meist moderne allwettertaugliche Modelle. Wer immer hier in beigebrauner Kluft am Schaffen ist, gibt gern, bereitwillig und meist auch sehr kompetent Auskunft: etwa darüber, wie vor 1200 Jahren  schmiedeeiserne Werkzeuge und gebrannte Tonkrüge, Holznägel und -balken und ganze Gebäude erstellt wurden, wie die Menschen Tiere hielten, Getreide anbauten und vieles mehr.
Was bereits möglich war!
Es gibt viel zu staunen über die Vielfalt der damaligen Handwerkskunst und Lebensweise. Was bereits alles möglich war! Und wie beschwerlich viele Arbeiten im Vergleich zu unserer modernen Zeit waren!
Wie im Nu vergeht die Zeit beim Schlendern von Station zu Station, beim Beobachten und Nachfragen.
In den Sommerferien (1.8. bis 13.9.) ist der Campus Galli stets von 10 bis 18 Uhr geöffnet, außerhalb der Ferien von Freitag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr: Der Eintritt pro Person und Tag kostet 11 Euro; es gibt diverse Ermäßigungen. Der Campus Galli liegt an der B 313 zwischen Messkirch und Engelswies und ist ab Ortsmitte Messkirch gut ausgeschildert. Wer das Auto stehen lassen mag: Auch die Radwege sind gut ausgeschildert, und es fahren mehrere Buslinien zum Campus Galli. Besonders zu empfehlen ist an den Wochenenden der Naturparkbus Obere Donau, der zwischen Beuron und Messkirch verkehrt und weitere Sehenswürdigkeiten ansteuert. Nähere Informationen unter www.campus-galli.de

Bachgluckern und Vogelzwitschern
Bachgluckern und Vogelgezwitscher samt schönem Pfad – das macht die Klingenbachschlucht aus.
Die Klingenbachschlucht lässt sich ganz wortwörtlich nehmen: Es ist eine Schlucht, die entlang eines Bachs verläuft und in der es wunderschön klingt. Bachgluckern und Vogelgezwitscher sind hier die einzigen Geräusche,  Straßenlärm bleibt in der Tiefe der Schlucht außen vor. Ein guter Startpunkt für eine Wanderung ist Kaisers Kaffeestüble in Öhningen. Wenige Hundert Meter von hier ist der Einstieg in die Schlucht mit einem Wanderschild markiert. Rund 1,5 Kilometer lang führt ein schmaler Pfad durch die Schlucht, die mit ihrem auch im Sommer feucht-kühlen Klima, mit ihrem dichten Bewuchs aus Bäumen, Bärlauch und Lianen auf den ersten Blick auch mitten in einem tropischen Bergwald liegen könnte.
Die Klingenbachschlucht ist ein Ort, an dem sich nicht nur das Lauschen, sondern auch das Öffnen der Augen für unzählige Details lohnt. Einfach mal eine Weile beobachten, wie ein Wasserstrahl über eine ausgewaschene Felsformation fließt. Oder entdecken, wie eine Ameisenfamilie unermüdlich zu ihrem Haufen flaniert. Spannend, wie ein abgefallenes Blatt im seichten Wasser mit einer hauchdünnen Lehmschicht bedeckt sich sanft bewegt. Es gibt so vieles zu entdecken …

Zwei Wege möglich
Auf dem Weg durch das Kattenhorner Bühl bietet sich ein schöner Blick auf den
Am Ende der Schlucht locken zwei Möglichkeiten: Retour durch die Schlucht, um noch mehr Details aus einem anderen Blickwinkel zu entdecken. Oder über einen ausgedehnten, insgesamt rund  acht Kilometer langen Wanderweg durch das Naturschutzgebiet Kattenhorner Bühl mit durchaus charmantem Seeblick über den Uferweg zurück nach Öhningen laufen.
 Die Postanschrift vom Kaffeestüble lautet Mühlenweg 7, 78337 Öhningen. Die nächste Bushaltestelle „Endorf/Höristraße Öhningen” ist etwa 200 Meter von hier entfernt und wird mit der Linie 200 von Radolfzell aus angefahren.
Fahrpläne für Bus und Bahn: www.efa-bw.de oder www.bahn.de