Land und Leute | 08. Juli 2020

Einblicke in Tier- und Seelenleben

Von Christa Maier
Besinnlich bis tierisch ist diese Folge von „Urlaub bei uns”. Bei Löffingen lohnt der Besuch des alten Witterschneekirchleins mit seinem besonderen und stetig wachsenden Inventar. Zudem lockt der Zoo und Freizeitpark Tatzmania mit großen Gehegen und Fahrgeschäften.
Seit Kurzem gibt es auch fünf Kamele bei Tatzmania, um die sich Tierpflegerin Stefanie Jehle kümmert.
Kaum wiederzuerkennen ist der einstige Schwarzwaldpark in Löffingen/Breisgau-Hochschwarzwald. Nach einem Eigentumswechsel und völliger Umgestaltung zieht der Tier- und Freizeitpark seit 2018 unter dem Namen Tatzmania wieder die Menschen in Scharen an. Dass hier etliche Leute im Hintergrund arbeiten, dokumentieren nicht nur blitzsaubere Wege und frisch gemähte Rasenflächen, sondern auch munter herumspringende und wohlgenährte Tiere. Kleine Erdmännchen beäugen mit ihren großen Kulleraugen neugierig die Besucherinnen und Besucher oder dösen in der kleinen Hängematte vor sich hin. Chillen ist offensichtlich auch die liebste Beschäftigung der sieben Tiger und vier Löwen, die wenig Interesse an dem Trubel haben und sich stundenlang im riesigen Raubtiergehege, eines der größten in ganz Europa, die Sonne auf ihr Fell scheinen lassen. „Der Faulpelz liegt immer noch auf derselben Stelle”, zeigt sich eine Besucherin nach zweistündigem Aufenthalt enttäuscht, schließlich hätte sie gerne ein spektakuläreres Foto des Löwen nach Sachsen mitgenommen.
Unzählige Fotomotive
Interessierter Blick des Ermännchens zur Fotografin.
Auch Steppenzebras fühlen sich im Tierpark wohl.
Auf kommentierte Fütterungen heißt es derzeit noch verzichten, da sich dabei die Corona-Abstandsregelungen nicht einhalten lassen. Dafür bieten übermütige Berberaffen, die mit ihren neugeborenen Babys auf dem Rücken oder unterm Bauch auf Ästen und Steinhügeln herumturnen, beliebte Fotomotive. „Sind die süß”, ist immer wieder an der schützenden Mauer zu hören, die offensichtlich für manche ausgewachsene Affen kein größeres Hindernis zum Ausbüxen darstellt. „Hau ab”, mit ihrer Tasche vertreibt eine junge Mutter beherzt einen frei laufenden Primaten, der offenbar etwas Essbares in ihrem Kinderwagen witterte.
Auf dem Rundweg gibt es Spielplätze und viele, auch überdachte Sitzgelegenheiten, an denen Familien gerne ihre Rucksackvesper auspacken. Der große und kleine Hunger kann auch im Restaurant mit Terrasse und am Kiosk gestillt werden. Mit über 20 Tierarten lässt sich im 46 Hektar großen Tatzmania-Park Bekanntschaft machen, darunter auch Wölfe, Wapitis, Steinwild, Ponys, Rotwild, Emus, Lamas, Zebras und seit wenigen Wochen auch fünf Kamele, die hier ihre neue Heimat gefunden haben.
Größere Kinder drängeln in Richtung Fahrgeschäfte, die inzwischen wieder unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsvorschriften geöffnet haben. Daher müssen in Warteschlangen und während der Nutzung von Kettenkarussell „Wellenflieger”, Freefall-Turm, der kleinen Achterbahn „African Spin” (ohne Looping) oder des großen Pendants Schutzmasken getragen werden. Je nach Alter des Kindes muss eine erwachsene Begleitung mitfahren. Dass weitere Fahrgeschäfte hinzukommen, verdeutlichen eingezäunte Bereiche, in denen noch Bauarbeiten im Gange sind.  Besonders bei Regenwetter füllt sich das „Dschungelland” im Indoorbereich, wo etliche Rutschen, Bällebad oder Labyrinth die Herzen der Kleinkinder höher schlagen lassen.

Öffnungszeiten: Täglich von 10 Uhr bis 17 Uhr.
Eintrittspreise (enthalten sind darin unbegrenzte Fahrten mit allen Attraktionen): Erwachsene 18 Euro, mit körperlichen Einschränkungen und Senioren ab 60 Jahren 15 Euro. Kinder unter 4 Jahren und Geburtstagskinder bis 12 Jahre haben freien Eintritt, Kinder mit körperlichen Einschränkungen 13 Euro, Kinder von 4 bis 11 Jahren 15 Euro. Mit Hochschwarzwald-Card freier Eintritt.
Anfahrt mit Pkw: Über B31 kommend Abfahrt Löffingen und anschließend auf K4994 Richtung Dittishausen. Nach etwa 1,4 Kilometern links abbiegen und einen weiteren Kilometer der Straße folgen. Entsprechende Beschilderung ist bereits ab Abfahrt Löffingen vorhanden, teilweise jedoch noch unter „Schwarzwaldpark”. Die Zufahrtstraße durch Löffingen ist wegen Brückenarbeiten noch mehrere Monate gesperrt.
Ort der Bitte, des Dankes und des Innehaltens
Die alte Kapelle (links) und die Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Wallfahrtskirche zum Witterschneekreuz.
Einen besonderen Reiz strahlt das alte Witterschneekirchlein rund drei Kilometer außerhalb Löffingens aus, dessen Grundstock ein 1740 von einem verirrten Wanderer erstelltes Kreuz bildete. Das hölzerne Gotteshaus steht neben der stattlichen
Wallfahrtskirche zum „Witter-Schneekreuz”. Die beiden Kirchen sind von der Bundesstraße 31 und von der Bahntrasse aus gut zu sehen. Beim Blick in das 1846 erbaute hölzerne Gotteshaus fallen die vielen religiösen Gegenstände auf. Auf den seitlichen Sitzbänken liegend, an Wände angelehnt und aufgehängt stapeln sich Kreuze und Bilder. Heiligenfiguren stehen in großer Anzahl auf dem kleinen Altar. Für fromme Schlafzimmerbilder und riesige Holzrosenkränze, die früher über dem Ehebett der Großeltern oder Eltern hingen, und schätzungsweise 200 Kreuze in allen Ausführungen fanden unbekannte „Spendenfreudige” in dem Kirchlein eine pietätvolle Aufbewahrungsstelle.
Zwei Besucherinnen staunen über Bilder, Kreuze und mehr.
Der oft „angeschlagene” Zustand der Devotionalien lässt vermuten, dass diese mitunter weniger aus Dankbarkeit als aus der Ratlosigkeit heraus angeliefert wurden: Wohin mit den vielleicht aus Nachlässen stammenden Gegenständen, die für die Vorfahren einen besonderen religiösen Wert hatten und von den Erben nicht übernommen werden wollen? So wurde und wird das Witterschneekirchlein anderweitiger „Entsorgungsstellen” vorgezogen, wenngleich Mesner Bernard Kaczor Mühe hat, Ordnung in die Anlieferungen zu bringen.
Dass Freud und Leid dicht beieinander sein können, zeigen  Briefe und Bilder. Auch  Krücken sowie die Beinschienen eines Kleinkinds kamen wohl nach der Genesung als Dank in das Kirchlein. Anrührend ist dabei vor allem die einfache Machart dieser ehemaligen Hilfsgeräte, die gerade dadurch die Not der Kranken vergangener Tage deutlich vor Augen halten. 
„Lass Coronazeit vorübergehen”
n der Witterschneekapelle gibt’s Anrührendes zu entdecken,
In volkstümlicher Weise gemalte Votivtafeln zeigen Kühe, Pferde und auch Schweine mit kräftigen Hauern neben der Witterschneekirche abgebildet. Offenbar ging es um Krankheiten oder sogar Seuchen im eigenen Stall, die abgewendet werden konnten. Etliche Menschen, denen erflehte Hilfe wohl gewährt wurde, verewigten sich im Laufe der Zeit mit Namen und Datum auf den Bildtafeln. Unwillkürlich ziehen Dankes- und Bittbriefe, Zettel mit kurzen und auch längeren Gebeten, frei formuliert oder auch in Versform an den Wänden der alten Holzkirche die Blicke auf sich. „Lieber Gott, ich bin sehr fröhlich, dass wir alles haben, was wir brauchen. Ich finde es gut, wenn es keinen Streit gibt. Und es ist hier sehr, sehr, sehr schön.” Ein Brief drückt dagegen die Verzweiflung einer schwangeren Frau aus, die Schwierigkeiten hat, ihr Kind zu halten „(...) Bitte lass mich nicht im Stich. Danke!” Einige Anliegen wurden offensichtlich erhört: „Danke für die erfahrene Hilfe in einer sehr wichtigen Entscheidung – August 1993”, ist zu lesen. Auch die aktuelle Zeit spiegelt sich wider im ausgelegten Fürbittbuch: „Bitte hilf, dass Corona jetzt vorbei ist, bin bald am Verzweifeln und möchte wieder in den Arm genommen werden…” oder „Danke, dass du mich gehört hast. Lass diese schreckliche Coronazeit bald vorübergehen. Danke”.
Auch Wunder sollen hier geschehen sein: Die 15-jährige gehörlose Maria Zipfel aus Bubenbach soll im Jahre 1844 beim Schneekreuz ihre Stimme wieder erhalten haben.
Manchmal im Winter, wenn die Kapelle geschlossen ist, wurden auch schon Zettel an der Außenwand festgemacht. Diese werden nicht einfach weggeworfen, sondern von Inge Mayer, die seit über 40 Jahren den Schließdienst übernimmt, im Innern der kleinen Kirche aufgehängt. „Wir wissen schon um die Anliegen der Leute”, sagt die Rentnerin, die mit vielen Einzelschicksalen konfrontiert wird. 
Fußweg: Vom Bahnhof Löffingen sind es rund 1,5 Kilometer Fußweg zur Kapelle, von der Bushaltestelle Maienlandstraße 750 Meter.   
Fahrpläne für Bus und Bahn: www.efa-bw.de oder www.bahn.de