Pflanzenbau | 15. February 2018

Saatmaiserzeuger vorsichtig optimistisch

Von Gernot Raiser
Die südbadischen Saatmaiserzeuger trafen sich am 7. Februar in Breisach zu ihrer jährlichen Fachversammlung. Zur Tagesordnung gehörten ein Jahresrückblick aus Sicht der Branche und Informationen zur Verbandsarbeit.
Bei der Fachversammlung Saatmais ging es um verbandsinterne und pflanzenbauliche Themen.
Der Verband baden-württembergischer Saatguterzeuger e.V. (VbwS) hatte gemeinsam mit dem Regierungspräsidium Freiburg, in Breisach unter anderem vertreten durch Klaus Mastel, die Versammlung organisiert und führte sie durch.
Dr. Peter Müller, erster Vorsitzender des VbwS, zeigte sich zufrieden mit der „kleinen, aber feinen” Saatmaiserzeugung in Südbaden. „Angesichts des anhaltenden Rückgangs der Saatmaisproduktion in den Haupterzeugerländern um rund ein Drittel haben die Anbauer in Südbaden ihre Position relativ gut behauptet”, freute sich Müller.
Markus Gräbling, Vorstandsmitglied des Verbandes, fasste das Anbaujahr 2017 zusammen und wagte einen Ausblick auf die 2018 zu erwartenden Entwicklungen.
Flächenrückgang
So sei die Vermehrungsfläche für Saatmais in Südbaden 2017 nochmals nach unten gegangen auf aktuell 3562 ha – 800 ha unter dem Höchststand von 2014. Mit den bestehenden Beregnungsanlagen und geschlossenen Anbaugebieten wären 4500 ha machbar gewesen, bedauerte Gräbling. Anderswo sieht es aber auch nicht besser aus: 2017 wurde in Frankreich die Saatmaisfläche um 35000 ha eingeschränkt. Abgesehen von dieser „schmerzhaften Flächenreduktion” sei das vergangene Jahr für die Saatmaiserzeuger aber sehr erfolgreich verlaufen. „Die Erträge waren sehr gut und gleiches gilt nach bisherigen Erkenntnissen auch für die Qualitäten”, betonte Gräbling.
Die Anwendung von Belem-Bodengranulat von Kwizda Agro sowie Ercole von Zumi Agro gegen Bodenschädlinge war dem VbwS von den Zulassungsbehörden für 2017 nach § 53 genehmigt worden. Dem Einsatz dieser Insektizide sei es zu verdanken, dass es kaum Schäden durch Erdraupen oder Drahtwürmer gegeben habe, so Gräbling.
2017 gut gelaufen
Erst Ende April 2017 hatten die südbadischen Maisvermehrer mit der Aussaat begonnen, deshalb gab es hier, anders als im Körnermais, keine Frostschäden. „Auffallend war, dass 2017 die Niederschläge sogar innerhalb einzelner Gemarkungen stark schwankten”, erinnerte sich Gräbling. Erntebeginn für das Maissaatgut war Anfang September. Bei gutem Wetter konnte zügig gearbeitet werden.
Extrem war bei manchen Zuchtlinien das Auftreten von Maisbeulenbrand. Auf einigen Schlägen seien bis zu 40 Prozent der Pflanzen befallen gewesen. „Ich habe in meiner 35-jährigen Berufspraxis noch nie Maisbeulenbrand in diesem Ausmaß erlebt”, berichtete Gräbling. Der Pilz und seine Sporen gelten nicht als gesundheitsschädlich und die Krankheit wird nicht mit dem Saatgut übertragen – die Qualität des Saatmaises wird also nicht beeinträchtigt. Aber teilweise habe man bei den Erntearbeiten vor lauter Pilzsporen in der Luft die Reihen nicht mehr gesehen, schilderte das Vorstandsmitglied des VbwS seine Erfahrungen. Auch bei der Aufarbeitung sei die Staubbelastung der Atemluft sehr unangenehm gewesen.
Für 2018 wurden vom VbwS wieder Anträge zur Genehmigung von Ercole und Belem im Saatmaisanbau gestellt, es lag am 7. Februar aber noch keine Entscheidung vor. „Leider sind die Saatgutmärkte in Europa trotz der Flächeneinschränkung 2017 immer noch überversorgt”, fasste Gräbling zusammen. Ursache sei unter anderem die Rekordernte in Frankreich im vergangenen Jahr. Deshalb sei 2018 nicht mit einem Wiederanstieg der Vermehrungsfläche für Mais zu rechnen. 
Aus der Verbandsarbeit
Marco Eberle berichtete aus der Geschäftsstelle in Stuttgart. Die Verbandsbeiträge sollen auf eine neue Grundlage gestellt werden. Bisher hatten die verschiedenen Kulturen unterschiedliche Bemessungsgrundlagen, beispielsweise war dies bei der Getreidevermehrung der Umsatzerlös. Nach Aussage von Eberle habe dieses System nicht richtig funktioniert. Deshalb sei vom VbwS-Beirat der Entschluss gefasst worden, die Umlage auf die Vermehrungsfläche der Betriebe umzulegen.
Wichtig sind in diesem Zusammenhang die Daten zu Flächenumfang und Vermehrungsvorhaben, weil ohne sie die Beiträge nicht korrekt errechnet werden können. Dieses Zahlenmaterial können die Saatmaiserzeuger dem Verband über das LTZ Augustenberg zukommen lassen, indem sie dieser Einrichtung eine Datenfreigabe mittels  spezieller Erklärung erteilen. Ansonsten bleibt nur die aufwendige und kostenträchtige Variante, dass der VbwS die Daten bei den fehlenden Mitgliedern einzeln abruft.
Bisher haben 73 Prozent aller  VbwS-Vermehrer der Datenweitergabe durch das LTZ zugestimmt und die entsprechende Erklärung eingereicht. „Es fehlt aber noch ein ganz großer Teil der Saatmaisvermehrer”, beklagte Eberle.
Ab 31. Dezember 2020 wird ein TÜV für alle mobilen und stationären Beizgeräte Pflicht. Die Neuerungen werden gerade in einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe abgestimmt. Nach Aussage von Marco Eberle geht es dabei bisher vor allem um Fragen des Unfallschutzes, aber auch der Umweltschutz wird ein Thema sein.
Vorträge von LTZ-Fachleuten zur Anerkennungskampagne und Qualitätsprüfung 2017 sowie zur Umsetzung der Düngeverordnung deckten in Breisach die pflanzenbaulichen Aspekte der Saatmaisproduktion ab, über die in einer kommenden BBZ-Ausgabe berichtet wird.