Pflanzenbau | 28. February 2019

Pflanzenschutz in Johannisbeeren

Von Dr. Sebastian Messerschmid
Hinweise zum chemischen Pflanzenschutz in Johannisbeeren gibt Dr. Thomas Diehl vom Regierungspräsidium (RP) Stuttgart. Er erinnert außerdem daran, dass Erzeuger sich regelmäßig fort- und weiterbilden müssen, damit ihr Sachkundenachweis erhalten bleibt.
Wer in Deutschland beruflich Pflanzenschutz betreibt, unterliegt seit 2013 einer Fortbildungspflicht. Was früher galt, nämlich „einmal sachkundig, immer sachkundig”, gilt heute nicht mehr. „Sachkundige müssen mindestens einmal in drei Jahren eine Fort- oder Weiterbildungsmaßnahme besuchen”, sagt Diehl. „Inzwischen sind wir im dritten Drei-Jahres-Zeitraum.” Dieser läuft vom 1. Januar 2019 bis zum 31. Dezember 2021. Sachkundige sollten somit innerhalb dieser drei Jahre insgesamt vier Stunden Weiterbildung nachweisen.
Kann der Betreffende bei einer Überprüfung die erforderlichen Teilnahmebestätigungen nicht vorlegen, setzt die Behörde eine Frist, in der er das bislang Versäumte nachholen kann. „Hält man diese Frist nicht ein, kann der Sachkundenachweis widerrufen werden”, warnt Diehl. Eine baden-württembergische Besonderheit ist, dass die vier Stunden nicht auf einmal absolviert werden müssen. Denn für die Anerkennung der Fortbildung werden die Einzelnachweise kumuliert. Das heißt: Man kann statt einmal vier auch zweimal zwei Stunden Pflanzenschutz-Fortbildung besuchen. 
Unkrautbekämpfung
Winden können in Johannisbeeren zum Problem werden.
Zur Unkrautbekämpfung bei Johannisbeeren empfiehlt Diehl zunächst, mit einem Glyphosat-Produkt reinen Tisch zu machen, beispielsweise Roundup Powerflex. „Dies sollte ausgangs des Winters geschehen, solange die Hüllblätter noch die Knospen bedecken”, sagt er. „In den ersten beiden Standjahren sollten glyphosathaltige Herbizide in Johannisbeeranlagen aus Verträglichkeitsgründen jedoch nicht zum Einsatz kommen.” Ab dem Pflanzjahr könne man die Fläche unter den Sträuchern mit einem bodenwirksamen Herbizid versiegeln. Der Einsatz von Flexidor (Wirkstoff: Isoxaben) sei bereits zu diesem frühen Zeitpunkt möglich. „Bei Flexidor ist es für eine gute Wirkung aber besonders wichtig, dass die Bodenoberfläche vor dem Einsatz unkraut- und blätterfrei ist”, rät der Experte. Ab dem ersten Standjahr könne man für diesen Zweck Stomp Aqua oder Stomp Raps (Wirkstoff: Pendimethalin) nehmen. Gegen Acker- und Zaunwinde könne man horstweise nach der Ernte Wuchsstoffe – MCPA oder 2,4 D  – spritzen. Dies müsse aber auf Basis einer einzelbetrieblichen Genehmigung erfolgen.
Im vergangenen trockenen Sommer hätten mancherorts Unkrauthirsen die Johannisbeeren fast überwachsen. Gegen solche Kalamitäten und andere Schadgräser helfe beispielsweise der Einsatz von Fusilade Max (Wirkstoff: Fluazifop-P) mit 1,0 l/ha. Gegen die Quecke ist die doppelte Aufwandmenge genehmigt. 
Blattkrankheiten
Mehltau in Johannisbeeren bekämpft man am besten dadurch, dass man vor der Blüte zweimal Schwefel ausbringt. Diehl weist darauf hin, dass das vor allem bei Schwarzen Johannisbeeren nicht an besonders sonnigen, strahlungsreichen Tagen erfolgen sollte, um Blattverbrennungen zu vermeiden. Während der Blüte und der Fruchtentwicklung könne man Fortress 250 oder Systhane 20 EW einsetzen, am besten im Wechsel mit Flint. Säulenrost tritt ab Mai/Juni auf. Dessen Bekämpfung werde teilweise durch die Mehltaubehandlungen abgedeckt. Bei stärkerem Auftreten empfiehlt Diehl eine Tankmischung mit Folicur. „Delan WG ist gegen die Blattfallkrankheit das Mittel der Wahl”, stellt er fest. „Tankmischungen mit den genannten Mehltaufungiziden sind möglich.” Statt Delan könne man auch noch Dithane Neotec anwenden. „Dieses Fungizid hat eine Aufbrauchfrist bis 30. September 2019. Die genannte Anwendung ist somit die letzte Möglichkeit, das Mittel im Obstbau sinnvoll zu verwerten”, erläutert Diehl.
Manchmal könne es zweckmäßig sein, direkt nach der Ernte mit Flint in den Bestand zu fahren. Denn nach der Durchfahrt der Erntemaschinen sei der Bestand doch häufig sehr „zerzaust”. Durch die Flint-Applikation werde der Laubapparat noch eine Weile effektiv erhalten und die Winterfestigkeit der Johannisbeeren erhöht.
Schadinsekten
Frostspannerschäden fallen vornehmlich bei kleineren Johannisbeerfeldern ertragsrelevant ins Gewicht. Bei größeren Feldern genüge unter Umständen eine Randbehandlung, berichtet der Pflanzenschutzexperte. Es gebe hier die Möglichkeit, das Insektizid Steward zu spritzen. Diese Maßnahme solle man jedoch nicht überstürzen. Vielmehr sei es angebracht, damit zu warten, bis der größte Teil der Raupen des Schadschmetterlings geschlüpft sei. Die Alternative ist laut Diehl ein Bacillus-thuringiensis-Präparat, das man aber zweimal ausbringen müsse. Von ausschlaggebender Bedeutung für dessen gute Wirkung sei die Temperatur, weil
die Schmetterlingsraupen des Frostspanners nur bei mehr als 15° Celsius fraßaktiv seien.
Blattläuse werden in Junganlagen besonders schädlich. „Hier ist es wichtig, dass beim Triebwachstum jeglicher Stress ausgeschaltet wird”, sagt Diehl. Bei älteren Beständen und bei Industrieware könne ein geringer Blattlausbefall eher geduldet werden. Denn dieser werde in der Regel meist von Nützlingen ausreichend reguliert. Zugelassen seien für diese Indikation zum Beispiel die Insektizide Calypso (Wirkstoff: Thiacloprid), Mospilan (Acetamiprid) und Pirimor (Pirimicarb). Das sehr selektiv wirkende Blattlausmittel Pirimor habe bislang nur eine Zulassung bis zum 30. April 2019. Eine einjährige Verlängerung hält der Pflanzenschutzexperte aber für nicht ganz unwahrscheinlich.
Ein weiterer, insbesondere in Junganlagen und beim Anbau für den Frischmarkt zu bekämpfender Schädling ist die Johannisbeerblattgallmücke. Spritzt man Calypso beim ersten Blattlaustermin, erfasst die unvermeidlich eintretende Nebenwirkung auch diesen Schaderreger, betont Diehl. Ausgesprochen erntenah trete die Stachelbeerblattwespe auf. Für deren Bekämpfung sei gegenwärtig aber kein Präparat zugelassen oder genehmigt.
„Bei stärkerem Auftreten der Kirschessigfliege gibt es die Möglichkeit, SpinTor (Wirkstoff: Spinosad) oder Mospilan einzusetzen. Möglicherweise wird es  noch zusätzliche Notfallgenehmigungen für Johannisbeererzeuger geben”, lässt der Fachmann vom RP Stuttgart offen.