Pflanzenbau | 15. March 2018

Käfer im Raps jetzt wieder flott unterwegs

Von Dr. Peter Knuth, RP Tübingen
Nach der Kälteperiode im Februar steigen mit den länger werdenden Tagen im März auch die Tagestemperaturen wieder deutlich an und es finden sich die ersten Schädlinge im gerade aus der Winterruhe kommenden Raps ein.
Höhenverstellbare Gelbschalen „wachsen” mit dem Raps in die Höhe und erfassen auch Rapsglanzkäfer.
Sobald die Temperaturen ansteigen, was bereits geschehen ist, fliegt der Große Rapsstängelrüssler von den letztjährigen Rapsfeldern in die neuen Bestände ein und beginnt mit der Eiablage an den Stängeln. Oft nur wenige Tage später beginnt dann auch der Gefleckte Kohltriebrüssler mit dem Reifungsfraß und der Eiablage an den Rapspflanzen. Im weiteren Verlauf gesellt sich dann noch der Rapsglanzkäfer dazu.
Rapsschädlinge sollten nur bekämpft werden, wenn die Bekämpfungsrichtwerte der Schädlinge auch tatsächlich überschritten werden, Tabelle 1. Je nach Vorbefall im vergangenen Jahr auf den letztjährigen Rapsfeldern und dem Witterungsverlauf im Winter und Frühjahr treten die Rapsschädlinge Jahr für Jahr in unterschiedlicher Befallsstärke auf, so dass eine Bekämpfungsmaßnahme nicht immer erforderlich ist. Die Dauerfrosttage im Februar haben den Schadinsekten jedenfalls bestimmt nichts anhaben können. Nur aus südlichen Ländern zugewanderte, bei uns gebietsfremde Insektenarten kommen unter Umständen mit den niedrigen Temperaturen nicht zurecht. 
Betriebsanleitung für Gelbschalen
Um gute Fangergebnisse zu erzielen, sollten folgende Punkte beachtet werden:
  • Gelbschalen altern mit der Zeit, die gelbe Farbe wird dann stumpf und ist ausgebleicht. Solche Fallen fangen nur noch schlecht und sollten ausgetauscht werden.
  • Gelbschalen, die beispielsweise nach stärkeren Regenfällen verschmutzt sind, müssen gereinigt werden.
  • Der Zuflug auf ein Rapsfeld ist schlagspezifisch und kann von Feld zu Feld sehr unterschiedlich sein. Daher gehört auf jede Rapsfläche mindestens eine Gelbschale.
  • Bei größeren Feldern empfiehlt es sich, an mehreren Stellen Gelbschalen aufzustellen, um so einen besseren Überblick über den Zuflug der Schädlinge zu bekommen.
  • Die Gelbschalen sollte man nicht zu voll machen und etwas Spülmittel zugeben. Dadurch wird die Oberflächenspannung des Wassers reduziert und die Käfer können nicht mehr herauskrabbeln.
  • Zum Schutz von Bienen und Hummeln sollte die Gelbschale mit einem Gitter bedeckt sein.
  • Man sollte auf die Bestandeshöhe achten und die Gelbschalen entsprechend so anpassen, dass sie auf gleicher Höhe mit der Oberkante des Rapsbestandes stehen.
Rapsglanzkäfer
Mit fortschreitender Vegetationsdauer werden auch Rapsglanzkäfer in den Gelbschalen gefangen. Welche Insektizide gegen Rapsschädlinge zugelassen sind und welche Bekämpfungsstrategie richtig ist, um Resistenzen einzudämmen oder vorzubeugen, zeigen  Tabelle 2 und Tabelle 3. Die Anzahl der Rapsglanzkäfer gibt nur Auskunft über den Zuflug, aber nicht über die Notwendigkeit einer Bekämpfung. Den eigentlichen Befallsdruck der Rapsglanzkäfer und auch der Schotenschädlinge kann man nur durch direkte Beobachtung und Auszählen der Schädlinge auf den Pflanzen bestimmen. Die in der Tabelle 1 genannten Bekämpfungsrichtwerte sind so festgelegt, dass erst bei einer Überschreitung dieser Werte mit Ertragseinbußen gerechnet werden muss. Geringere Besatzdichten können problemlos toleriert werden, da der Raps durch verstärkte Seitentriebbildung einen nicht unerheblichen Teil der Fraßschäden sehr gut kompensieren kann.
Rüsselkäfer
  • Gerade beim Großen Rapsstängelrüssler hat das frühzeitige Aufstellen von Gelbschalen eine besondere Bedeutung. Die Käfer fliegen bei Tagestemperaturen um 12 °C von ihren Winterquartieren in die neuen Bestände ein und beginnen nach einem sehr kurzen Reifungsfraß unmittelbar mit der Eiablage am Haupttrieb der Rapspflanzen. Zuflug und Eiablage können dabei durchaus an einem Tag stattfinden.Die besten Bekämpfungserfolge werden erzielt, wenn die Stängelrüssler unmittelbar nach dem Zuflug – noch vor der Eiablage – erfasst werden. Der Bekämpfungsrichtwert ist erreicht, wenn pro Gelbschale zehn Käfer in drei Tagen gefangen werden. Um die Eiablage zu verhindern und für die Entscheidung, ob eine Bekämpfungsmaßnahme erforderlich ist, verbleibt daher oftmals nur ein sehr kurzes Zeitfenster.Zur Eiablage nagt das Weibchen mit dem Rüssel kleine Nischen in die Stängel und scheidet dabei Wuchsstoffe aus, die bei den befallenen Rapspflanzen zu den typischen Verdrehungen des Stängels führen. Die geschlüpften Larven bohren sich in den Rapsstängel ein und ernähren sich vom Mark. Letztendlich kann der Larvenfraß dann zu einem Aufplatzen der Stängel führen.
  • Im Gegensatz zum Stängelrüssler führt der Gefleckte Kohltriebrüssler vor der Eiablage erst einen ausgiebigen Reifungsfraß durch. Für Bekämpfungsmaßnahmen hat man hier also ein größeres Zeitfenster. Der Gefleckte Kohltriebrüssler legt seine Eier zum Großteil an den Seitentrieben des Rapses ab und verschont den Haupttrieb. Daher wird auch die Gefahr von Schäden durch den Kohltriebrüssler geringer als beim Stängelrüssler eingestuft. Der Bekämpfungsrichtwert beim Gefleckten Kohltriebrüssler ist bei 30 Käfern in drei Tagen erreicht.
Bei der Kontrolle der Gelbschalenfänge muss darauf geachtet werden, ob bereits Rapsglanzkäfer mitgefangen werden und sich im Bestand aufhalten. Aufgrund des hohen Resistenzgrades dieses Schädlings gegen die Klasse-II-Pyrethroide sollten diese Mittel dann nicht mehr eingesetzt werden. Von den Klasse-I-Pyrethroiden ist derzeit nur Trebon 30 EC gegen alle drei Schädlinge zugelassen.
Beim Einsatz von bienengefährlichen Insektiziden vor der Rapsblüte muss immer auch darauf geachtet werden, ob blühende Unkräuter im Feld vorhanden sind.
Blühende Rapsbestände werden nicht  nur von Bienen aufgesucht, sondern auch von vielen anderen Bestäuberinsekten. Darum sollten alle Insektizidanwendungen während der Blüte entweder vermieden oder generell auf die Abendstunden gelegt werden.