Land und Leute | 03. January 2019

Authentisch, lehrreich, interaktiv

Von Katrin Kortendieck
Die angehenden Winzer und Winzermeister bekamen bei der gemeinsamen Veranstaltung des BBL und des Badischen Weinbauverbandes am 19. Dezember 2018, dem Jungunternehmertag Weinbau, einiges geboten. Aber auch die Anforderungen an den Nachwuchs wurden deutlich.
BBL-Vorsitzende Katharina Dier eröffnete den ersten Jungunternehmertag Weinbau.
Hier sitzt die Winzerzukunft Badens – deshalb freue ich mich besonders, dass Sie heute so zahlreich erschienen sind”, mit diesen Worten begrüßte der Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbandes Peter Wohlfarth die Teilnehmer des ersten Jungunternehmertages Weinbau. Auch Katharina Dier, erste Vorsitzende des Bund Badischer Landjugend (BBL), begrüßte alle Anwesenden und ermutigte zur Zusammenarbeit, „damit wir jungen Leute unsere Ziele in der Branche erreichen können.” Zur Veranstaltung im Haus der Bauern (HdB) waren mit den drei Winzer-Jahrgängen der Edith-Stein-Schule, Fachschülern des Bildungszentrums Emmendingen-Hochburg sowie einigen weiteren Teilnehmern über 80 Personen anwesend.
Jungunternehmer berichteten
Lena Flubacher hat mit ihrem Weingut Erfolg.
Lena Flubacher ist eine junge Frau, die ihren Weg in der Weinbranche bereits erfolgreich geht. „So lange ich mich erinnern kann, wollte ich Winzerin werden”, und auch von der Ausbildungszeit schwärmte sie: „Die drei Jahre gehören zur besten Zeit meines Lebens.”  Noch während ihres anschließenden Studiums gründete sie 2012 ihr eigenes Weingut, 2013 konnte sie ihren ersten Jahrgang abfüllen. „Der Weg bis dahin war nicht leicht. Ich fragte mich: Wie geht es nach dem Studium weiter? Wenn ich zu Hause einsteige, wie kann ich mich dann selbst verwirklichen und mir eine eigene Existenz schaffen?”, erzählte die junge Winzerin. Spannend berichtete sie, mit welchen Herausforderungen sie sich konfrontiert sah, vom notwendigen Kapital bis hin zum Etikett auf den Flaschen. Zusätzlich ist sie seit 2013 am Weinbauinstitut (WBI) Freiburg fest angestellt   – beides muss sie miteinander vereinbaren. Lena Flubachers Fazit lautet: „Ich würde diese Entscheidung jederzeit wieder treffen.” Am Ende gibt sie den Teilnehmern mit auf den Weg: „Seid mutig, aber nicht leichtsinnig. Seid ehrgeizig, aber nicht verbissen. Verlasst eure Komfortzone und überwindet eure Grenzen – es lohnt sich!”
Einen ähnlichen Weg hat Katja Pfeifer gemeinsam mit ihrem Mann Tobias eingeschlagen. Tobias fragte sie am Telefon: „Schatz, ich hab einen Weinberg, sollen wir ein Weingut aufmachen?” Katja antwortete: „Spinnsch?” Darauf ihr Mann: „Ja.” Und sie sagte: „Okay, wir machen es.” Pfeifer erzählte: „Andere Paare planen eine Weltreise, ein Haus und gemeinsame Kinder. Bei uns kam eben noch die Gründung eines Weingutes dazu.”  Die Grundsätze des Paares: „Zum einen können wir uns gegenseitig zu 90 Prozent im Betrieb ersetzen. Das ist wichtig, weil wir beide zusätzlich Vollzeitjobs haben. Zum anderen werden Entscheidungen von uns gemeinsam getroffen – und auch getragen!” Das „Projekt Junge Winzer Oberrotweil” der gleichnamigen Winzergenossenschaft (WG) präsentierten Jonas Landerer und Martin Räpple. Kern des Projektes ist, „dass wir eigene Produkte entwickeln dürfen, mit denen wir uns identifizieren können”, erklärte Landerer. Von der Idee im Frühjahr 2016 dauerte es bis zum Frühling 2017: Am 8. Mai wurden die ersten Weine abgefüllt. Fünf Prozent des Umsatzes wandern in die Taschen der Jungwinzer. „Wichtig für ein solches Projekt ist die Kontinuität. Deshalb nehmen wir gerne jederzeit neue Jungwinzer auf, die mit Spaß und Engagement dabei sind”, motivierte Martin Räpple die Teilnehmer und fügte hinzu: „Als die Idee abgesegnet war, haben wir von der WG  freie Hand bekommen. Doch zuerst mussten wir zeigen, dass wir etwas auf die Beine stellen können.”
Blick über den Tellerrand
Ich will es nicht nur, ich bin vor allem gut darin”, grinste Paula Herr, Bio-Käserin aus Freiamt. Sie bot den Blick über den Tellerrand und beschrieb  den Aufbau ihres Unternehmens, in diesem Fall eine Käserei. Diese ist Teil des Milchviehbetriebes ihres Lebensgefährten Julian Roser. „Momentan verkäse ich im Winter etwa 20 Prozent, im Sommer ungefähr die Hälfte der Biomilch unserer 40 Kühe. Der Rest wird von der Schwarzwaldmilch abgenommen.” 
Engagement erwünscht
Geschäftsführer Peter Wohlfarth stellte den Badischen Weinbauverband vor.
Gut in ihrem Job ist auch Alixe Winter, Geschäftsführerin der Alten Wache Freiburg, die verschiedene Produkte aus ihrem Geschäft mitbrachte. Anhand derer verdeutlichte sie praxisnah den Erfolg und damit die Wichtigkeit guter Weinwerbung. Winter beschrieb unter anderem, wie sie sich vor einigen Jahren der Herstellung eines guten, qualitativ hochwertigen Glühweins angenommen hatte. Ihre Kernbotschaft: „Machen Sie nicht nur guten Wein, reden Sie auch darüber! Und trauen Sie sich, einen Preis zu verlangen, der die Qualität unterstreicht.” Manuel Becker von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg sorgte schließlich mit seinem Vortrag zur Automatisierung und Digitalisierung im Weinbau für den technischen Input.
Später stellte Peter Wohlfarth die Aufgaben seines Verbandes vor und appellierte an die Jungwinzer: „Engagieren Sie sich!” Kritisch dazu äußerte sich ein Meisterschüler: „So oft höre ich, dass wir Jungwinzer uns engagieren sollen.  Ich wünsche mir, dass der Verband gemeinsam mit uns Grundlagen für ein Engagement entwickelt.” Wohlfarth versprach, diesen Wunsch im Verband weiterzutragen. Insgesamt war der Tag sehr interaktiv: Aus dem Publikum kamen viele Fragen an die Jungwinzer, die von allen sehr offen beantwortet wurden – auch von Paula Herr, als es um ihre berufliche Zukunft ging: „Sollte die Beziehung zu meinem Freund zerbrechen, bin ich vertraglich abgesichert.”
Die männlichen Teilnehmer hatten einige Detailfragen zu den Spritzdrohnen. Den gelungenen Abschluss des Tages bildete eine kleine Weinprobe, die Badens Weinkönigin Miriam Kaltenbach moderierte.