Pflanzenbau | 08. March 2018

Grünlandpflege: Von nichts kommt nichts

Von Alfons Fübbeker, LWK Niedersachsen
Eine dichte Narbe sollte das Ziel der Grünlandbewirtschaftung sein, denn lückige Grasnarben sind häufig die Ursache für einen erhöhten Eintrag von Schmutz in die Silage und damit auch von unerwünschten Keimen, die die Silierung erschweren können. Zudem mindert der Schmutz die Energiekonzentration.
Grünlandpflegemaßnahmen im Frühjahr sind die Basis für die Erhaltung und Verbesserung einer dichten und leistungsfähigen Grasnarbe.
Eine dichte Narbe bedarf gezielter Grünlandpflegemaßnahmen. Dazu gehören beispielsweise das Abschleppen zum Einebnen von Maulwurfshaufen oder das Striegeln zum Belüften der Grünlandnarbe und zur Anregung der Bestockung. Mit diesen Maßnahmen werden auch minderwertige Gräser reduziert und die Pflanzen von Güllereste befreit. Für die verschiedenen Pflegemaßnahmen werden unterschiedliche Techniken angeboten. Jedes Gerät hat seinen Einsatzschwerpunkt, wie in der Tabelle 1 aufgelistet.
Zum Einebnen von Maulwurfshaufen sind Schleppen am besten geeignet, hingegen sorgen Striegel mit vielen Federzinken für eine sehr gute Bestandsbelüftung. Die Arbeitsqualität ist umso besser, je mehr Zinken verwendet werden und je besser sie sich dem Boden anpassen können, was bei einzeln aufgehängten Feldern gut möglich ist. Um einen aufgefrorenen Boden rückzuverfestigen, wie auf humosen und anmoorigen Standorten häufig der Fall, eignen sich am besten Glattwalzen mit einem großen Durchmesser und einem hohen Gewicht.
Dabei ist zu bedenken, dass der Einsatzzeitpunkt stimmen muss, der Boden darf nicht zu nass aber auch nicht zu trocken sein. Bei mineralischen Böden ist das Walzen in den seltensten Fällen erforderlich. Auch das Beheben von Trittschäden oder Fahrspuren ist mit Walzen nicht oder nur im geringen Umfang möglich.
Fahrgeschwindigkeit anpassen
Striegel belüften die Grasnarbe durch den engen Zinkenabstand sehr intensiv.
Die Arbeitsqualität hängt bei allen Pflegemaßnahmen in erheblichem Umfang von der Arbeitsgeschwindigkeit ab. Beim Einsatz von Schleppen sind Geschwindigkeiten von 6 bis 10 km/h und bei Grünlandstriegeln von 10 bis 12 km/h häufig optimal. Gerade beim Grünlandstriegel sorgt die Fahrgeschwindigkeit in Kombination mit einem federnden Zinken für ein gutes Arbeitsbild, da herausgezogene Pflanzenreste auf der Fläche verbleiben und nicht zusammengeharkt werden. Hingegen ist langsames Fahren für einen guten Walzeffekt erforderlich. Aufgrund der unterschiedlichen Ansprüche an die Fahrgeschwindigkeiten bei den verschiedenen Pflegemaßnahmen sind Gerätekombinationen nicht immer optimal. Deshalb ist es  ratsam, das Arbeitsbild bei Geräten, die beispielsweise mit einer geringen Zinkenanzahl, einem großen Zinkendurchmesser und einer Andrückwalze mit kleinem Durchmesser ausgestattet sind, anhand der jeweiligen Einsatzbedingungen zu beurteilen.
Über- und Nachsaaten
Über- bzw. Nachsaaten sind im Spätsommer aufgrund des geringeren Konkurrenzdruckes des Altgrasbestandes erfolgversprechender.
Zum Ziel, eine dichte Grünlandnarbe zu bekommen, gehört es auch, erwünschte Futterpflanzen in Lücken zu etablieren. Bei kleineren Lücken helfen Übersaaten (vorbeugende Pflege) und  bei größeren Lücken Nachsaaten (Reparaturmaßnahme)  dabei, die Dichte der Grasnarbe zu erhöhen. Dazu kommen für die Übersaat beispielsweise Elektroschleuderstreuer in Frage. Deren Verteilerfolg hängt stark von den Windverhältnissen ab. Besser geeignet sind die windunempfindlicheren pneumatischen Säeinrichtungen, die auf die Schleppen bzw. Striegel aufgebaut werden. Neben der Übersaat, wo der Grassamen auf dem Boden abgelegt wird, gibt es Maschinen zur Nachsaat, die den Grassamen direkt in den Boden ablegen. Um einen besseren Bodenschluss vom Grassamen zu erreichen, arbeiten einige Geräte mit einer nachlaufenden Andrückwalze.
Bei der vorbeugenden Maßnahme zum Erhalt einer dichten Grasnarbe, also bei Übersaat, werden in der Regel Saatgutmengen von etwa 5 kg/ha mehrmals im Jahr ausgebracht. Bei einer Reparaturmaßnahme sind es größere Saatgutmengen um die  15 kg/ha. Zum Erfolg trägt auch bei, wenn das Saatgut bzw. die Saatgutmischung entsprechend der Bodenart, den Klimabedingungen, der Nutzungsrichtung usw. ausgewählt wird. Sehr entscheidend für den Erfolg einer Über- bzw. Nachsaat sind, wie in  Tabelle 2 dargestellt, auch Faktoren wie der Zeitpunkt der Maßnahme und die Folgenutzung.
Im Frühjahr ist der Konkurrenzdruck der bestehenden Grasnarbe aufgrund des schnellen Wachstums größer als im Spätsommer. Deshalb ist eine Über- bzw. Nachsaat im Frühjahr nur sinnvoll, wenn Lücken im Bestand vorhanden sind und die Maßnahme zeitlich früh (bis Anfang April) erfolgt. Ansonsten ist der Erfolg gering, da der auflaufende Grassamen sich aufgrund des rasch wachsenden Altgrasbestandes kaum durchsetzen kann. Deswegen sind in den meisten Fällen Über- bzw. Nachsaaten zum Ende der Vegetationsperiode erfolgversprechender.
 Ebenso hat die Nutzung einen Einfluss auf den Konkurrenzdruck. Bei Beweidung wird die Grasnarbe kurz gehalten, so dass neue Gräser sich besser entwickeln können. Je häufiger und schonender eine Nutzung erfolgt, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Elementar wichtig ist allerdings auch  eine ausreichende Wasserversorgung (Bodenfeuchte). Zum einen für die Keimung des Saatgutes und zum anderen für das weitere Wachstum des Grases.
Nachmahd
Zur Grünlandpflege gehört auch die Nachmahd von Weiden, damit überständiges Gras beseitigt und die Samenbildung bei Unkräutern verhindert wird. Besonders kurz vor dem Winter ist der Reinigungsschnitt wichtig, damit die Grünlandfläche  möglichst gleichmäßig mit etwa 10 cm Wuchshöhe in den Winter geht. Sind größere Weidereste zu beseitigen, ist es häufig sinnvoll, mit einem normalen Mähwerk die Fläche zu mähen und anschließend in einen zweiten Arbeitsgang das Grüngut abzufahren. Bei geringeren Weideresten bieten sich Sichel- und Schlegelmulcher an, die das Mähgut sofort beim Mähen zerkleinern und verteilen. Aufgrund ihrer Bauart arbeiten Schlegelmulcher intensiver als Sichelmäher.
Fazit
Zum Erhalt oder zur Verbesserung der Grünlandnarbe ist eine gezielte Pflege notwendig. Durch Maßnahmen wie Walzen, Abschleppen, Striegeln und Nachmähen wird die Ertragsleistung der Grasnarbe erhalten bzw. verbessert und ein kostenintensiver Grünlandumbruch seltener erforderlich. Darüber hinaus helfen Übersaaten bei geringen Narbenlücken und Nachsaaten bei größeren Lücken in der Narbe, die Dichte der Grasnarbe und damit die Leistungsfähigkeit zu erhöhen.