Für Sichtkontakt zur Herde sorgen
zirkulieren. Teure Betonwände sind nicht nur überflüssig, sondern behindern Sicht und Luftaustausch. In einer Abkalbebucht darf eine Tränke nicht fehlen. Sie sollte allerdings abseits der Tiefstreu oder Strohmatratze platziert werden, damit der Liegebereich nicht morastig wird. An einer Trogtränke können Kühe schnell und viel trinken.
Am besten ist es, wenn die Abkalbebucht als Zweiraumbucht gestaltet ist, nämlich mit einem befestigten Fressplatz und einer eingestreuten Liegefläche. Es ist von doppeltem Vorteil, wenn der Fressplatz an der Futterachse liegt. Der Landwirt muss nicht zusätzlich an einem anderen Ort füttern, die Kuh frisst bei der Herde und sie wird angeregt, sich zu bewegen.
„Man muss sich in die Kuh hineinversetzen”, sagt Manser. Hochträchtige Kühe produzieren viel Wärme und leiden leicht unter einem Hitzestau. Der Hitzestress beginnt nicht erst beim Abkalben, sondern schon vorher in der Trockenstehzeit. Eine amerikanische Studie aus Florida zeigt, dass das Kolostrum hitzegestresster Kühe weniger Immunglobuline enthält. Sowohl im Trockenstehstall als auch in der Abkalbebucht sollte es nicht zu warm werden. Ventilatoren sind kein Luxus. Kühles Tränkewasser hilft der Kuh ebenfalls, sich abzukühlen. Gibt es wenig Raum im Stall, dann lässt sich eine Abkalbebucht auch unter dem Vordach des Stalles oder in einem einfachen Anbau unterbringen.
Mit Vorteil plant man sie so groß, dass mehrere Kühe darin Platz finden. Man kann die Abkalbebucht auch als Krankenbucht nutzen. Raumteiler, zum Beispiel mittels schwenkbarer Wände, machen es möglich, den Raum zu unterteilen. Eine Separation der Kuh vor dem Kalben ist aber üblicherweise nicht notwendig; denn die anderen Kühe stören die kalbende Kuh in der Regel nicht. Es ist kein Luxus, Fixiermöglichkeiten anzubringen, um eine Kuh in der Abkalbe- bzw. Krankenbucht behandeln zu können. Es genügt, ein Flügeltor so an der Wand anzubringen, dass man damit eine Kuh einsperren kann. Ein Anschluss an die Vakuumleitung sollte in der Abkalbebucht nicht fehlen, um eine Kuh, die festliegt, melken zu können.
Nach der Geburt ist die Mutter meistens durstig, deswegen sollte man ihr in einem großrahmigen Eimer möglichst lauwarmes Wasser anbieten. Sie sollte auch ein paar Stunden Kontakt zum Kalb haben, denn Mutter und Kalb stimulieren sich gegenseitig. Die Mutter steht auf, um das Kalb abzuschlecken. Das regt beim Kalb den Kreislauf an und macht es munter. Eine gute Idee findet Manser die sogenannte Starterbox, eine Holz- oder Kunststoffkiste, in welche das frisch geborene Kalb hineingelegt wird. Die Kiste wird vor das Fressgitter gebracht und dort mit Heu gefüllt. Da die Kuh nach der Geburt meistens nicht nur Durst, sondern auch Hunger hat, frisst sie aus der Kiste und schleckt dabei immer wieder das Kalb ab.
Auch die Art und Weise, wie man Kühe trockenstellt, ist für deren Wohlbefinden und spätere Leistungsbereitschaft wichtig. „Auf einen Schlag trockenstellen”, ist Mansers Devise. „Dabei aber nie das Wasser abstellen”, fügt er hinzu. Der Euterdruck stellt die Milchproduktion ab. Die Kuh darf kein Kraftfutter erhalten, sondern soll strukturreiches Futter fressen. „Gras ist Gift für Trockensteher”, mahnt er.
Eine weiche und saubere Liegefläche, genügend Platz sowie Frischluft machen den Kühen die Trockenstehzeit zu einem richtigen „Schwangerschaftsurlaub”. Wie bei der Abkalbebucht lässt sich auch im Trockenstehstall vieles ohne große Investitionen erreichen.