Tierhaltung | 04. January 2018

Die Silagesignale im Blick haben

Von Annette Jilg, LAZBW Aulendorf
Nur über eine Analyse des Ist-Zustandes der Silage können künftige Optimierungsmaßnahmen abgeleitet werden. Die wichtige Information über den Futterwert erhält man durch eine Laboranalyse, die Silagequalität sollte über ein bewusstes Silo-Controlling regelmäßig erfasst werden.
Für die Einschätzung der erzielten Silagequalität ist eine regelmäßige sensorische Kontrolle notwendig.
Top Silagequalität + Futterwert = hohe Milchleistung. Damit diese Gleichung aufgeht, müssen Fehlgärungen ausgeschlossen werden. Denn  diese bedeuten immer Verluste, sei es an Energie, an den wertbestimmenden Inhaltsstoffen, hier vor allem Eiweißmenge bzw. -qualität, oder an Trockenmasse.  Ziel ist stets die Verfütterung einer hygienisch einwandfreien, kalten Silage.
Einen objektiven Blick auf das Silo werfen
Beim Silo-Controlling ist es wichtig, zunächst aus einem gewissen Abstand einen Gesamteindruck zu gewinnen. Es sollte sich ein besenreines Silo ohne Futterreste und eine möglichst glatte, einheitlich gefärbte Anschnittfläche zeigen. Gärsaft zeigt an, dass der optimale Trockenmassegehalt von 30–40 % nicht erreicht wurde. Er  muss, ebenso wie Sickersaft und verunreinigtes Niederschlagswasser, in geeigneten Sammelbehältern aufgefangen werden.
Die weitere visuelle Kontrolle richtet sich auf die Lage der Sandsäcke und die Suche nach Folienverletzungen und dem Eindringen von Regenwasser. Bei Mängeln muss hier direkt nachgebessert werden. Farbliche Veränderungen an der Anschnittfläche können auf Fehlgärungen hinweisen, die dann durch die sensorische Kontrolle genauer geprüft werden.
Gute Silage riecht angenehm
Silo-Controlling umfasst Maßnahmen zur Kontrolle am Siloanschnitt mit dem Ziel, aus diesen Daten Strategien zur Verbesserung der Silagequalität abzuleiten.
Für die sensorische Prüfung einer Silage sollte die Außentemperatur deutlich im Plusbereich liegen, da sonst die Wahrnehmung der verschiedenen Gerüche erschwert ist.  Eine Fingerprobe, also das Reiben der Silage zwischen den Fingern, kann die Wahrnehmung von  geringen Gehalten an Buttersäure erleichtern. Dieser unangenehme Geruch nach Schweiß und ranziger Butter tritt auf, wenn die Ansäuerung nicht rasch genug erfolgen konnte.
Ursache ist häufig zu nasses und/oder verschmutztes Futter. Aber auch hohe Eiweißgehalte, Reste von Gülle oder Festmist, ein zu geringer Gehalt an Zucker und/oder Nitrat oder auch ein Mangel an natürlichen Milchsäurebakterien können die Bildung von Buttersäure fördern. Als Folge ist neben hohen Energieverlusten auch von einem verstärkten Eiweißabbau und einer Reduzierung der Futteraufnahme auszugehen. Bleibt der pH-Wert zu hoch, so ist dieser Prozess nicht mehr zu stoppen, es kommt zum Verderb des Futters. Bei höheren Gehalten an Buttersäure sollte die Silage nicht mehr verfüttert werden.
Ein in der Nase stechender, stark saurer Geruch weist auf Essigsäure in der Silage hin. Grundsätzlich bewirkt die Bildung von Essigsäure höhere Energieverluste. Dennoch ist ein leichter Gehalt von 2–2,5 % in der Trockenmasse positiv zu sehen, da dadurch die Vermehrung von Hefen, und somit die Gefahr einer Nacherwärmung, vermindert wird. Höhere Gehalte sind aufgrund vermehrter Energieverluste und einer negativen Auswirkung auf die Futteraufnahme unerwünscht.
Ursache kann auch hier eine zu langsame Ansäuerung zu Gärbeginn sein. Essigsäurebakterien nutzen den Restsauerstoff im Silo, um sich unter der Bildung von Wärme rasch zu vermehren, so dass höhere Gehalte auch auf eine ungenügende Verdichtung (u. a. zu hohe Anlieferungsmenge/Schichtdicke, zu geringes Walzgewicht, Schnittlänge für den TM-Gehalt zu lang) hinweisen. Essigsäure wird jedoch auch von heterofermentativen Milchsäurebakterien im späteren Gärverlauf gebildet. Eine Gärdauer von mindestens acht Wochen trägt daher zur Sicherung der Silage gegen Nacherwärmung bei.
Alkoholartiger bzw. mostartiger Geruch deutet auf die Aktivität von Hefepilzen hin. Diese sind extrem flexible Schadkeime. Sie können sich bereits beim Start des Silierprozesses unter Verwendung der Restluft stark vermehren. Später vergären sie ohne Sauerstoff Zucker zu Alkohol. Gefährlich ist dies insoweit, da sich eine hohe Anzahl an Hefen immer ungünstig auf die Haltbarkeit der Silage in der Entnahmephase auswirkt. Zudem können dabei auch eiweißabbauende Prozesse ablaufen. Sie vertragen noch niedrigere pH-Werte als Milchsäurebakterien und werden somit auch bei Silagen mit einem pH-Wert im Optimalbereich nicht inaktiviert. Auf eine starke Hefevermehrung zu Gärbeginn weist ein röstartiger Geruch hin. Infolge der Atmung erhöht sich die Temperatur in der Silage. Dies wirkt sich dann negativ auf die Milchsäurebakterien aus, so dass die Ansäuerung verzögert wird. Daher ist auf ein rasches Silieren mit einer guten Verdichtung und schnelles, dichtes Abdecken zu achten.
Schimmelpilze sind bei ihrer Vermehrung immer auf Luft angewiesen. Entweder handelt es sich um einen Lufteinschluss (mangelhafte Verdichtung) oder Luftzutritt (undichte Abdeckung/Wände, geringer Vorschub). Häufiger Vertreter ist Aspergillus fumigatus, erkennbar an seiner weiß-grauen Farbe. In Maissilagen sind auch rote (i. d. R. Monascus ruber) oder blaue (i. d. R. Penicillium roqueforti), mehr oder weniger runde Nester auffindbar. Diese Schimmelarten benötigen für ihr Wachstum kleinste Mengen an Sauerstoff, der durch eine ungenügende Verdichtung an diesen Stellen noch vorhanden ist. Neben dem starken Abbau von Eiweiß und Zucker besteht die Gefahr von Mykotoxinbildung. Daher muss sicherheitshalber um die verfärbte Stelle herum mindestens 30 cm Futter abgeräumt werden.
Dringt auch Wasser in die Silage ein, so ist ein modriger Geruch nach Fäulnis oder Kompost feststellbar. Die Konsistenz ist schmierig, wie bei Mist. Die möglichen Folgen sind auch hier neben hohen Energieverlusten eine reduzierte Futteraufnahme. Diese Stellen sollten daher ebenfalls abgeräumt werden. Ursache sind eine mangelhafte Siloabdeckung oder bauliche Mängel.
Kadaver bedeuten ein sehr hohes Risiko hinsichtlich des Auftretens von Botulismus durch Clostridium botulinum. Dieses Bakterium produziert ein gefährliches Nervengift. Kadaverteile müssen daher immer aussortiert werden, die umliegende Silage ist in einem Radius von 50 cm, unterhalb der Fundstelle sogar noch großzügiger, abzuräumen.
Kontrolle mithilfe des pH-Wertes
Über die Kontrolle des pH-Wertes kann in Abhängigkeit vom TM-Gehalt eine Einschätzung der Gärqualität erfolgen.
Eine rasche Milchsäuregärung bedeutet geringe Verluste an Energie und Trockenmasse. Die Säure senkt den pH-Wert und unterdrückt so die Vermehrung von Schadkeimen und stoppt den Prozess der enzymatischen Umsetzungen, sie wirkt also konservierend. Ziel ist es daher, bei Grassilagen in Abhängigkeit vom TM-Gehalt eine rasche Ansäuerung unter den kritischen pH-Wert zu erreichen (siehe Grafik  "Schema zum angestrebten pH-Wert von Grassilagen in Abhängigkeit vom TM-Gehalt"). Bei Maissilagen ist in der Regel das Verhältnis von Zucker zu Pufferkapazität sehr gut, so dass die rasche Ansäuerung unproblematisch ist.
Bei Grassilagen ist  die Bestimmung des pH-Wertes bei der Laboranalyse empfehlenswert.Am Silo kann er mithilfe eines pH-Indikatorpapieres (Messbereich von 3,8–5,8) oder eines pH-Meters geprüft werden. Der TM-Gehalt lässt sich händisch schätzen (siehe Tab. 1). Die Kenntnis über den TM-Gehalt ist sehr wichtig für die Rationsgestaltung und sollte auch bei Maissilagen regelmäßig überprüft werden (siehe Tab. 2).
Kühe wünschen kalte Mahlzeiten
Die Bildung von nitrosen Gasen zeigt sich an einer gelb-orangenen Verfärbung. Häufig ist diese oben an den Seitenwänden oder an offenen Stellen sichtbar. Auch verfärbte Siloreste auf der Bodenplatte oder hellbraun verfärbte Pflanzen weisen auf den Austritt von nitrosen Gasen hin. Verfärbte Partien der Silage können nach Einhaltung einer Gärdauer von mehr als acht Wochen in der Regel verfüttert werden. Ein Nitratgehalt von unter 0,5 % i. d. TM der Ration ist unbedenklich zu verfüttern.
Abbauprozesse durch Hefepilze führen zu Wärmebildung, stofflichen Um- und Abbauprozessen und geruchlichen Veränderungen. Wegen der daraus resultierenden Verringerung der Futteraufnahme und des schlechten hygienischen Zustands ist die Verhinderung von Nacherwärmung eines der wichtigsten Ziele in der Silagebereitung.
 Die normale Kerntemperatur einer ausgekühlten Silage liegt, unabhängig von der Umgebungstemperatur, bei etwa  15 °C. An den Randbereichen, bis etwa 20 cm, liegt die Temperatur im Bereich der Umgebungstemperatur. Temperaturunterschiede über 5 °C innerhalb des Anschnittes oder Temperaturen über 20 °C im Silo zeigen eine beginnende Nacherwärmung auf. Die Messung erfolgt zum Beispiel mit Heustocksonden. Einfache Wärmebildkameras geben ebenfalls einen schnellen Überblick über das Temperaturgeschehen an der Anschnittfläche. Als Faustzahl gilt: Plus 10 °C bedeuten einen täglichen Energieverlust von 0,1 MJ NEL.
Die wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen bestehen in einem optimalen TM-Gehalt, gegebenenfalls einer Anpassung der Häcksellänge, einer hohen Verdichtung und sorgfältigen Abdeckung, einer an den Tierbestand angepassten Füllhöhe, um einen guten Vorschub zu erzielen (> 1,5 m/Woche im Winter, > 2,5 m/Woche im Sommer), sowie einer ausreichenden Gärdauer. Bei überalterten Grünlandbeständen empfiehlt es sich, diese getrennt als Ballensilage zu silieren.
 Wird eine Nacherwärmung festgestellt, so sind je nach Grad der Erwärmung verschiedene Sicherungsmaßnahmen denkbar: In leichteren Fällen sind eine Anschnittbehandlung und Zusätze zur TMR-Stabilisierung denkbar. Weiterhin wäre das Umsilieren von Teilpartien oder ein komplettes Umsilieren (nur mit Zugabe von  Siliermittel der DLG WR 2) in Erwägung zu ziehen.
Rasch befüllen und optimal verdichten
Die  erzielte Verdichtung kann  in der Praxis schwer ermittelt werden, da dies in der Regel mithilfe eines geeigneten Probebohrers erfolgt. Indirekt lassen sich jedoch viele der  genannten Probleme der Gärqualität auf eine ungenügende Verdichtung zurückführen. Die Schere der heute möglichen Schlagkraft bei der Anfuhr und der möglichen Walzarbeit im Silo klafft immer weiter auseinander. Das Walzgewicht sollte in etwa ein Viertel bis ein Drittel der stündlichen Anlieferungsmenge in Tonnen Frischmasse betragen. Bei höheren Bergeleistungen sollte gegebenenfalls  parallel in zwei Silos eingefahren werden.
 
Fazit
Beim  Silo-Controlling hat man drei Ziele im Auge: Erstens gilt es gegebenenfalls am Silo bzw. an der Silage mögliche Sicherungsmaßnahmen vorzunehmen. Zweitens kann nun die tatsächliche Eignung der Silage in der Rationsgestaltung festgelegt werden. Und drittens sollte man die gewonnenen Erkenntnisse zur Verbesserungen bei der künftigen Silagebereitung nutzen.