„Biopute lohnt sich!”
Wegen der mäßigen Böden der Region hat sich der Betrieb schon seit langem auf die Tierhaltung spezialisiert, vor allem auf die Zucht von Angus-Rindern, Welsh Ponys und auf die Sommerhaltung von Puten. Und das sehr erfolgreich. Anfang 2019 wurde der Hof Eselsmühle von Bundesministerin Julia Klöckner als Sieger beim Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau ausgezeichnet.
Dass es seit vielen Jahren so gut wie keine Verluste mehr bei der Mast gibt und die Tiere überdurchschnittlich gesund sind, ist laut Hoffarth kein Zufall. „Die Puten haben bei uns nicht nur im Außenbereich auf der Wiese sehr viel Platz, sondern auch im Stall, der durch die offene Bauweise optimal durchlüftet ist.”
Zudem investieren die Hoffarths viel Arbeit in ihre Puten, insbesondere in die Hygiene. Die Tränken werden täglich mit verdünntem Obstessig gereinigt und mindestens jeden zweiten Tag wird neu eingestreut, bei Regen auch täglich. Zudem sind mehrere Kontrollgänge pro Tag selbstverständlich, um mögliche Probleme rechtzeitig zu erkennen. Viel Aufwand, der sich aber bezahlt macht. „Wir hatten in 20 Jahren nur ein einziges Mal Kokzidien im Bestand”, erzählt Hoffarth.
Auch den Auslaufbereich optimierte die Familie im Laufe der Jahre. Offene Flächen, die Puten instinktiv meiden, wurden nach und nach mit selbstgebauten Hütten, Sträuchern und abgestorbenen Fichten geflügelfreundlich gestaltet. Der Stall mit dem vorgelagerten Hofbereich musste ebenfalls „putensicher” abgedichtet werden mit ausreichend hohen Drähten und Brettern. „Ganz wichtig ist, dass der Stall auch fuchssicher ist”, ergänzt Hoffarth. „Denn einmal hat es ein Fuchs herein geschafft und im Blutrausch 30 Puten gerissen.”
Aufgestallt werden die Puten im Alter von fünf Wochen. „Dann haben sie genügend Federn und können auch mal kühlere Tage im ungeheizten Stall aushalten”, erklärt Hoffarth. Der Bezug von Bioputenküken ist relativ schwierig, da es nur wenige Anbieter gibt. Die Eselsmühle bezieht ihre Jungputen seit vielen Jahren vom Betrieb Lojdl am Bodensee.
Ganz bewusst mästet der Biobetrieb neben Hähnen auch einige Hennen. Die weiblichen Tiere wachsen zwar etwas langsamer und werden nicht so groß und schwer wie die Hähne. Dieser vermeintliche Nachteil ist aber bei der Vermarktung ein Vorteil, da einige Kunden kleinere Tiere bzw. Putenteile bevorzugen.
Um Kosten zu sparen, aber auch um den Energiegehalt der Ration zu senken, wird im Laufe der Mast zusätzlich eigener Bioweizen mit steigenden Anteilen eingemischt. Dass sich dadurch auch das Wachstum der Tiere etwas verlangsamt, ist eine bewusste Entscheidung der Betriebsleiter. „Im Vergleich zur konventionellen Haltung wachsen unsere Tiere deutlich langsamer, aber immer noch sehr schnell”, sagt Claudia Hoffarth. „Wir wollen einfach gesunde, vitale Tiere bis zum Schluss. Bei uns sitzt auch am Schlachttag kein Tier mit Liegebeulen oder Knickbeinen im Stall. Das ist uns wichtig.”
Aus dem gleichen Grund werden die Tiere auch nicht komplett ausgemästet, sondern nur bis zu einem Schlachtgewicht von maximal 19 Kilogramm bei Hähnen und 12 Kilogramm bei Hennen gehalten.
„Das sind schon sehr intensive Tage”, sagt Claudia Hoffarth. „Aber es lohnt sich auch.” Zudem ist das Kundenfeedback durchgehend positiv. Gelobt werden laut Hoffarth vor allem die besondere Fleischqualität und der Geschmack. „Ganz wichtig ist den Kunden aber auch, dass sie wissen, wo das Fleisch herkommt und wie die Tiere gehalten wurden.”
Deshalb wird die Putenaufzucht auf der Eselsmühle bewusst transparent gehalten. So liegt das Grünland für den Auslauf direkt an einem stark frequentierten Radweg. Viele der heutigen Stammkunden des Betriebs sind so erst auf Bioputenfleisch aufmerksam geworden. Aber auch spontane Betriebsführungen an den Verkaufstagen sind für die Hoffarths selbstverständlich.
„Alles in allem sind wir sehr zufrieden mit unserer Bioputenhaltung”, fasst Claudia Hoffarth ihre Erfahrungen zusammen. „Allerdings sind wir nach dem letzten Verkaufstag auch immer alle froh, dass wir sechs Monate lang nichts mehr mit Puten zu tun haben.”