Tierhaltung | 12. March 2015

Nicht ganz so schlimm wie die US-Variante

Der neue Stamm des PED-Virus ist in Baden-Württemberg inzwischen in mehr als 45 Betrieben nachgewiesen worden, wobei in Südbaden bislang noch kein Fall aufgetreten ist. Für die Behandlung gibt es kein geeignetes Medikament. Daher ist Vorbeugung wichtig.
In Deutschland ist der neue Stamm des PED-Virus erstmals im Sommer vergangenen Jahres aufgetreten. Inzwischen   sind es bundesweit mehr als  150 PEDV-Ausbrüche, mit stetig steigender Tendenz. Auch aus den Niederlanden und Italien werden solche Ausbrüche gemeldet.  Die Sequenzanalysen der  Virusisolate zeigen deutliche Unterschiede zu den stark krankmachenden PEDV-Stämmen, die seit 2013 in  Amerika auftreten, und auch Unterschiede zu den europäischen PEDV-Stämmen vergangener  Jahrzehnte (siehe Kasten). 
Die Symptome
Der Durchfall, der bei der PED auftritt, ist meistens gelblich-grün und stinkend.
Das Virus besitzt eine hohe  Kontagiosität (= Ansteckungsfähigkeit). Es können alle Altersgruppen betroffen sein, wobei meistens eine schnelle Durchseuchung des gesamten Bestandes stattfindet. Nach oraler Aufnahme von virushaltigem Kot werden die Zotten im Dünndarm der Tiere zerstört und es kommt zu einer massiven Beeinträchtigung des Elektrolythaushaltes mit der Folge von Durchfall und starker Austrocknung. 
Die Ausprägung der Erkrankung ist dabei stark altersabhängig. Je jünger die Tiere sind, umso schlimmer läuft das Geschehen ab. Sind Saugferkel betroffen, kann es zu hohen Verlusten kommen. Ältere Tiere überleben die Infektion und scheiden das Virus über mehrere Wochen bis Monate in großen Mengen mit dem Kot aus.
Der Durchfall ist meistens gelblich-grün und stinkend, vereinzelt zeigen Tiere auch Erbrechen und Fressunlust. Gerade jüngere Tiere haben ein höheres Wärmebedürfnis, liegen viel und trocknen aus. Ältere Tiere sind häufig matt und stehen mit aufgekrümmten Rücken und eingefallenen Flanken da. Ferkelführende Sauen geben oft keine Milch mehr. Die Symptome  dauern meistens drei bis sieben Tage an, Mastschweine können anschließend eine verlängerte Mastdauer zeigen. Der Erreger ist für den Menschen ungefährlich
Therapie und Prophylaxe
Für die  Behandlung gibt es kein geeignetes Medikament. Zudem steht in Europa kein Impfstoff zur Immunisierung gegen eine PEDV-Infektion zur Verfügung. Die erkrankten Tiere können
 lediglich  über Elektrolyt-Glukose-Lösungen und  das Erhöhen  der Stalltemperatur  etwas stabilisiert werden. Saugferkel können durch die Kolostrumaufnahme bei der Muttersau, die nach  Erregerkontakt Immuglobuline gebildet hat, geschützt werden.
Die PED-Erkrankung ist keine melde- oder anzeigepflichtige Tierseuche, sollte aber dennoch durch strikte Hygienemaßnahmen bekämpft werden. Die wichtigste Maßnahme ist die Verhinderung der Verschleppung durch ein strenges Rein-Raus-System, die sorgfältige Reinigung und Desinfektion der Stallabteile, eine stabile Ferkelerzeuger-Mäster-Beziehung sowie die  Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen. Dabei muss besonders die Möglichkeit der
Verbreitung des Erregers über Tiertransporte, die Verladung am Schlachthof, das Tierkörperbeseitigungs-Fahrzeug oder sonstige Fahrzeuge und den Personenverkehr beachtet werden. Als gut wirksame Desinfektionsmittel haben sich die DVG-gelisteten Mittel auf Basis von Phenolen, Natriumhypochlorit oder Hydrogenperoxid bewährt.
Weitere Hinweise darauf, wie  man der Verschleppung  von Krankheitserregern  vorbeugen kann, stehen auf der Internetseite der Tiergesundheitsdienste  unter  www.tsk-bw.de/Tierge
sundheitsdienste/sgd.php.
Bei Verdachtsfällen bietet der Schweinegesundheitsdienst Baden-Württemberg Beratung und Diagnostik an. Der Erregernachweis kann an den staatlichen Untersuchungsämtern im Land  aus frisch verendeten Tieren oder aus Kotproben durchgeführt werden.
Erstmals in der 70er-Jahren beschrieben
Das  Porcine Epidemische Diarrhoe Virus (PEDV)  wurde erstmals in den 1970er-Jahren in Großbritannien beschrieben und verursachte  in den 1980er- und 1990er-Jahren in Europa Verluste durch Durchfallerkrankungen bei Saugferkeln und Mastschweinen. Die Erkrankung wurde auch als Enzootische Virusdiarrhoe (EVD) bezeichnet. Nachdem mit zunehmender Verbreitung der seuchenhafte Charakter der Erkrankung verlorenging, wurden bis zum Jahr 2013 nur noch vereinzelt klinisch relevante Infektionen in Europa nachgewiesen.
In Asien hat sich das PED-Virus  in den vergangenen  Jahren jedoch stark verbreitet und ist dort bis heute mit starken klinischen Symptomen endemisch vorhanden.
Die amerikanische Schweinepopulation galt bis 2013 als PED-frei, im Frühjahr 2013 wurde das PED-Virus erstmals in den USA nachgewiesen. Die dortige  Epidemie ist wahrscheinlich auf die Einführung von Virus-Stämmen aus Asien zurückzuführen und stellt eine besonders schwere Form der PED dar. Mittlerweile hat der Erreger auch Mexiko und Kanada erreicht. Experten gehen davon aus, dass in den USA aufgrund der Infektion inzwischen mehr als 14 Millionen Ferkel verendet sind. In Amerika kommen hauptsächlich stark krankmachende, sogenannte hochpathogene PED-Virus-Stämme vor.