Pflanzenbau | 27. September 2018

LSV Dinkel 2017/2018

Von Maria Müller-Belami und Thomas Würfel, LTZ Augustenberg
Die Landessortenversuche (LSV) werden auf den Zentralen Versuchsfeldern in Boxberg, Eiselau und St. Johann angelegt und mit den bayerischen LSV über den Großraum Süddeutschland ein- und mehrjährig verrechnet.
Dinkelbestand am LSV-Standort St. Johann auf der Schwäbischen Alb.
Dominierende Krankheiten an allen Standorten waren 2017/2018 Braunrost und Blattseptoria, in St. Johann befiel Schneeschimmel ab Mitte Juni die Fahnenblätter, Mehltau trat nur vereinzelt auf. Insgesamt waren die Bestände, mit Ausnahme des bayerischen Standortes Frankendorf, bis zur Ernte durchweg standfest.
Die Durchschnittserträge der je drei bayerischen und baden-württembergischen Standorte lagen bei 81,8 dt/ha in V1 (reduzierte Variante) und 94,5 dt/ha in V2 (intensive Variante). Vergleiche zum Vorjahr sind nicht möglich, da sich die anbaugebietsbezogene Verrechnungsbasis geändert hat. Qualitätsergebnisse zum LSV-Dinkel liegen noch nicht vor. Im Folgenden werden die im LSV getesteten Sorten steckbriefartig vorgestellt. Eine Übersicht über Ertragseigenschaften und Erträge gibt die Tabelle.
  • Badenkrone: 2018 über die Varianten und LSV-Standorte mit starken Ertragsschwankungen; sehr hohes Ertragsnivau in Eiselau und Frankendorf (BY); mehrjährig in beiden Varianten deutlich über dem Durchschnitt; kurze Sorte mit guter Standfestigkeit (2,7); mittlere Blattgesundheit; laut Züchter besonders ertragreich auf den besseren Standorten, Sorte mit hoher Kornzahl pro Ähre.
  • Badensonne: 2018 und mehrjährig mit konstant hohen bis sehr hohen Erträgen in der intensiven Variante V2; in der reduzierten Variante V1 einjährig um den Durchschnitt mit sehr guten Ergebnissen in Eiselau und Günzburg (BY); mehrjährig überdurchschnittliche Ertragsleistungen, mittelspäte Reife; langwüchsig, durchschnittliche Standfestigkeit (3,2); mittlerer Befall mit Blattseptoria (3,4); hohe Anfälligkeit für Mehltau (3,9), Braun- (5,3) und Gelbrost (2,9); laut Züchter Sorte mit hoher Kern- und Mehlausbeute.
  • Badenstern: Stand 2018 nur an den baden-württembergischen LSV-Standorten, insgesamt durchschnittlich mit leichten Ertragsvorteilen in der reduzierten Variante; mehrjährig in beiden Intensitäten ertragsschwächer; gute Standfestigkeit (2,3); deutlicher Befall mit Mehltau (4,3), mittlere Anfälligkeit für Braunrost (4,0) und Blattseptoria (3,5); laut Züchter Sorte für Grenzertragsstandorte und extensiven Anbau.
  • Comburger: Extensiver Dinkel mit zufriedenstellenden Kornerträgen in V1 in St. Johann, Arnstein (BY) und Günzburg (BY), schwache Erträge in V2; mehrjährig in beiden Varianten unterdurchschnittliches Ertragsniveau; ausgeprägter Zwiewuchs (7,5); mittelspäte Reife; sehr lange Sorte, mittlere Standfestigkeit (3,0); Blattgesundheit gut bei Gelbrost (1,2), Septoria (2,7) und mittel bei Braunrost (3,6); anfällig für Mehltau (3,4); laut Züchter Urdinkel mit traditionellen Eigenschaften, besonders geeignet für den ökologischen Anbau.
  • Franckenkorn: 2018 über die Varianten und LSV-Standorte sehr inhomogen, ertragsstark in Arnstein (BY), insgesamt in beiden Varianten unterdurchschnittlich; mehrjährig ähnliches Ertragsniveau mit Ertragsvorteilen in der intensiven Variante; frühe Abreife; langwüchsig und lageranfällig (4,3); gute Resistenzen gegen Mehltau (2,3) und Septoria (2,8); mittlerer Befall mit Braun- (3,4) und Gelbrost (1,7); laut Züchter Sorte mit guter Verarbeitungsqualität und Entspelzbarkeit.
  • Hohenloher: 2018 über die Varianten und einzelnen LSV-Standorte mit stark schwankenden Relativerträgen, sehr gut in Günzburg (BY), insgesamt überdurchschnittlich; mehrjährig in V1 um den Durchschnitt, in der intensiven Variante deutlich besser; etwas früh in der Abreife; mittlere Standfestigkeit (2,8), ausgewogene, mittlere Blattgesundheit; laut Züchter Sorte mit guter Winterhärte, eignet sich auch für Hochintensivstandorte.
  • Zollernspelz: 2018 in V2 über alle Standorte mit konstant schwachen Erträgen, in V1 sehr guter Ertrag in Arnstein (BY), insgesamt unterdurchschnittlich; mehrjährig in V1 über dem Durchschnitt, in V2 ertragsschwach; ausgeprägter Zwiewuchs (6,5); kurze Sorte mit mittlerer Standfestigkeit (2,9), gute Resistenzen gegen Mehltau (2,4), Braun- (3,3) und Gelbrost (1,4); Septoriabefall erhöht (4,0); laut Züchter winterharte Sorte mit offiziell bestätigter Dinkelreinheit.
  • Zollernperle: 2018 hervorragende Leistungen in der reduzierten Variante, sehr hohe Erträge inder intensiven Variante, in St. Johann mit Abstand die ertragsstärkste Sorte; mehrjährig hohes Ertragspotenzial in V1, überdurchschnittliches Ertragsniveau in V2; ausgeprägter Zwiewuchs (5,5); standfeste Sorte (2,3); sehr gute Mehltauresistenz (1,5), mittlerer Septoria- (3,3), Gelbrost- (1,5) und Braunrostbefall (4,0); laut Züchter wegen guter Unkrautunterdrückung auch für den Öko-Anbau geeignet.
Empfehlungssorten für den Anbau 2018/2019 sind: Badenkrone, Badensonne, Franckenkorn und Zollernspelz.