Land und Leute | 07. February 2019

Bis auf jedem Herrenklo ein Wickeltisch steht

Von Christa Maier
Die Urschwäbin und Kabarettistin Marlies Blume gönnte den Lachmuskeln ihres Publikums beim Landfrauentag zum 70-jährigen Verbandsbestehen keine Pause.

Die Gleichstellung von Mann und Frau, das Frauenwahlrecht oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Marlies Blume bringt selbst mit ernsten Themen ihr Publikum zum Lachen. Aber auch zum Nachdenken.
Auch als Rapperin macht Marlies Blume eine gute Figur.
Allein ihre Verwandlungskünste sorgen für Begeisterung. Während sie vom mehrlagigen Rot zum rosaroten Prinzessinnenkleid oder zur pinkfarbenen Hose wechselt, in die sie das ganze Leben reinstopfen könnte und immer noch Platz für Untermieter hätte, läuft ihr Schnabel wie geschmiert. Sie geht der Frage nach, warum Männer früher mehr wert waren als Frauen. Das könne sie sich nur mit Adam und Eva und dem Apfel erklären, in dem der Wurm drin war. Nach 2000 Jahren sei es an der Zeit für ein Update des „Äpfili-Programms”, findet sie. Warum gibt es Herrscher aber keine Damscher und wieso spricht man von Rabenmüttern aber nicht von Rabenvätern? Warum gibt es den „Mann für alle Fälle” aber ein „Mädchen für alles”?  Marlies Blume prangert die Sorglosigkeit der jungen Frauengeneration an, die sich lieber als Shopping Queen, DSDS-Kandidatinnen oder Prinzessinnen präsentieren. Doch auf den Märchenprinzen, der sie aus dem Dornröschenschlaf weckt, könnten sie lange warten. Bei der „schwäbischen Sprechmaschine” stehen auch Hände und Füße nicht still, wenn sie von der Großartigkeit der Männer und der Artigkeit der Frauen erzählt, wenn sie die Haltung der Frauen als Schisshas oder Dressurpferd zeigt, die dann auch mit einem „Armleuchter” als Mann zufrieden sein würden. Mit kämpferischen Worten spann sie den Bogen zum Frauenwahlrecht. Nach 100 Jahren sei es Zeit für viel mehr Frauen in Entscheidungsgremien: „Stellt euch zur Wahl und überlasst wichtige Entscheidungen nicht allein den Männern.” Zu lange hätten die Frauen in der zweiten Reihe gestanden.    Frauen hätten Führungsqualitäten und würden diese täglich im Haushalt, der Kindererziehung, in der Pflege, im Ehrenamt oder in sozialen Bereichen beweisen. „Es gibt Männer, die nicht führen können, aber dafür riesige Abfindungssummen bekommen.”  „Seid mutig und lasst sie raus, die Revolution ist weiblich”, fordert die engagierte Kabarettistin auf. Nicht alle Leithammel müssten dabei durch Leitkühe ersetzt werden, eine gegenseitige Befruchtung sei schon ein guter Anfang. Die Gleichstellung zwischen Mann und Frau sei erst erreicht, wenn auf jedem Herrenklo ein Wickeltisch stehe.