Land und Leute | 21. March 2019

Gesehen werden – online und in natura

Von Sylvia Pabst
„Sich zeigen” – unter diesen Titel lassen sich zwei Impulsvorträge von Social-Media-Fachfrau Jutta Zeisset beziehungsweise Gründungsberaterin Susanne Kaufmann stellen. Sie sprachen beim Bäuerinnenforum, das am ersten Tag der „RegioAgrar Baden” in Freiburg stattfand.
„Werdet aktiv und zeigt euch!”, lautete Jutta Zeissets Appell an ihr Publikum, nachdem Landfrauenpräsidentin Rosa Karcher kurz auf das Konzept der neuen Fachmesse in Freiburg eingegangen war und die Bühne für, wie sie sagte, „hochaktuelle Themen” freigegeben hatte. Dass Zeisset sich mit ihrem Aufruf explizit auf das Thema Internet und Social Media bezog, lag auf der Hand: Die Chefin eines Hofladens inklusive Museumsbetrieb und Café hat sich parallel zur Social-Media- und Online-Marketing-Managerin ausbilden lassen und ist bundesweit als entsprechende Trainerin unterwegs.

Bewegte Bilder und Sprachassistent
Sie stellte bei ihrem Vortrag mit Blick auf die Unternehmensführung klar: „Die eigene Webseite muss einem selber Spaß machen.” Und ohne Webseite sei  kein Social Media denkbar. Wie schnell sich in diesem Bereich das Rad dreht, unterstrich sie mit einem Rückblick. Vor nur zwei Jahren seien schlichte Texte, einfache Bilder und das Ansprechen vorwiegend junger Menschen auf einer Homepage ausreichend gewesen.
Am besten mehrmals täglich zwei Minuten lang die Arme zur Siegerpose in die Luft strecken – beim Bäuerinnenforum ging es gleich mal los damit.
Heute stelle sich das anders dar: Der Trend gehe zum bewegten Bild, zum Erzählen von ansprechenden Geschichten (Storytelling), zu hochwertigen Fotos und Sprachassistenten. Zugleich gelte es, alle Generationen zu erreichen. Darüber hinaus stellte sie in Aussicht, dass 2020 die Facebook-Inhalte zu 75 Prozent aus Videos bestehen werden. Am Beispiel eines kurzen Films über die Herstellung von Zwetschgenkuchen auf ihrem Hof zeigte sie anschaulich, wie ihre Kundschaft darauf anspricht: „Keine halbe Stunde nach dem Posten standen die Leute da und wollten Zwetschgenkuchen.”
Auch riet sie dazu, die SocialMedia-Kanäle, zu denen beispielsweise Facebook, Instagram und WhatsApp gehören, zu nutzen, um die Kundschaft zu fragen, was sie möchte. Auf diese Weise habe sie beispielsweise ihr bis dato angebotenes Eis gegen eine regionale Sorte ausgetauscht. Die Gäste im Hofcafé dankten es, auch online. Und nichts sei als Auszeichnung höher zu bewerten, als wenn dann die Kundschaft auf Facebook positiv über den Betrieb spricht, betont Zeisset.
Auch stellte sie das mit der Sprachsteuerung Alexa gekoppelte Angebot „Frag den Landwirt” vor: Ziel dabei ist, Fragen der Landwirtschaft und Ernährung auch Fachfremden leicht verständlich und ohne Berührungsängste zu erklären. Auch auf diese Weise lasse sich Öffentlichkeitsarbeit machen.
 
Mehrmals täglich üben
Auf anderer Ebene ging Susanne Kaufmann, Gründungsberaterin und Coach, auf das Thema „sich zeigen” ein: Sie machte klar, wie wichtig Körpersprache, Augenkontakt und Stimme im Alltag sind. Denn die Verarbeitung von Kommunikation basiere nur zu sieben Prozent auf dem tatsächlichen Wortinhalt, der Großteil hingegen passiere auf der unbewussten Ebene. Entsprechend wichtig sei es, auf die eigene Ausstrahlung zu achten, denn die Körpersprache zeige die Persönlichkeit eines Menschen, prägen doch die eigenen Gedanken das Auftreten. Wer niedergeschlagen sei, bewege sich eher in gebeugter Haltung. Doch wer sich aufrichte, wirke nicht nur positiver, sondern könne damit auch seine Stimmung aufhellen.
„Eine selbstbewusste Körperhaltung lässt die Hormone tanzen”, erklärt Kaufmann die Abläufe im Körper und führt aus, dass ein höheres Niveau von Testosteron das Gefühl von Selbstvertrauen erhöhe, ein niedrigerer Cortisolspiegel Angst verringere.
Laut Forschung bewirkt eine Veränderung der Körpersprache den Anteil dieser Hormone im Blut. Diese Erkenntnis führte zur Entwicklung des sogenannten Power Posing. Dabei werden positive Haltungen eingenommen, die Kaufmann zeigte: etwa wie ein Cowboy mit den Händen in den Hüften dazustehen oder aber im Stand die Hände wie bei einer Siegerpose in die Luft  zu recken. Auch sich gerade aufzurichten und den Blick in die Ferne schweifen  zu lassen, führe zu einer Stimmungsbesserung, ebenso eine Minute lang  zu lächeln.
Kaufmann riet dazu, solche Übungen mehrmals täglich in den Alltag einzubauen, insbesondere vor wichtigen Terminen. Angst werde reduziert, das Selbstbewusstsein gesteigert und frau werde gesehen.