Land und Leute | 24. January 2019

Kirschen litten unter heißem Sommer

Von Ralph Lacher
Der Hitzesommer 2018 brachte zwar eine sehr große Obsternte mit sich. Die Vermarktung litt aber unter starkem Preisdruck und qualitätsbedingten Absatzproblemen gerade bei den Kirschen.
Das berichtete Lorenz Boll am Montag beim Markgräfler Steinobsttag in Blansingen. Der Geschäftsführer des Erzeugergroßmarktes Südbaden (EGRO)  berichtete von einer Absatzmenge von 12000 Tonnen Obst und Gemüse beim EGRO, fast 5000 Tonnen mehr als 2017. Der Umsatz daraus lag mit  15 Millionen Euro aber trotzdem nur auf Vorjahresniveau. 
Bei Kirschen gab es ein  großes Konkurrenzangebot mit  Importen aus der Türkei, Polen, Spanien und Frankreich, die es bei ausgezeichneter Qualität zu „aus hiesiger Sicht unterirdischem Preisniveau” für den Lebensmitteleinzelhandel gab, sagte Boll. Erschwerend komme hinzu,  dass die großen Lebensmittel-Einzelhandelsunternehmen  die Ansprüche immer höher schraubten, Preise drückten, schon bei kleinsten Beanstandungen Ware zurückgäben und trotz aller Werbeversprechen, regionale Produkte zu bevorzugen, auf ausländische Produkte zurückgriffen.
Der Saal war gut gefüllt beim Markgräfler Steinobsttag.

Schon zum Saisonbeginn gab es ein großes Angebot an Erdbeeren und Spargel. Das drückte die Preise. 882 Tonnen Spargel (2017: 818 Tonnen) im Gesamtwert von 3,5 Millionen Euro wurden umgesetzt. Erdbeeren wurden 2700 Tonnen im Wert von 5,9 Millionen Euro vermarktet. Bei den Tafelkirschen  wurden 829 Tonnen im Wert von 1,7 Millionen Euro vermarktet. Die Gesamtmenge aller abgesetzten Kirschen betrug 1660 Tonnen mit einem Umsatz von mehr als 2,4 Millionen Euro.
Bessere Preise gab es bei den Zwetschgen, wo 3300 Tonnen Ware  im Wert von 1,9 Millionen Euro vermarktet wurden.  Sehr schwierig sei dagegen die Situation bei den Äpfeln, wo eine Rekordernte für rekordverdächtig niedrige Preisen sorgt. „Es gibt Äpfel teilweise für 50 Cent pro Kilo. Das ist für alle Beteiligten ein Drauflegegeschäft”, sagte Boll und machte gleichzeitig deutlich, dass es wegen der hohen Menge  seiner Ansicht nach weiterhin „ein Hauen und Stechen” am Markt  geben werde.  Um der Problematik mit der Lagerfähigkeit und Haltbarkeit  zu begegnen, werde man künftig etwa in Efringen-Kirchen die Ware ganztags annehmen,  kündigte Boll an.   
 EGRO-Anbauberater Hubert Schneider ging auf  Qualitätsprobleme bei  Tafelkirschen ein. Die Hitze  habe 2018  vermehrt zu weichen Früchten in teils nicht befriedigendem Kaliber geführt. Genaues Beobachten der Vegetation, der  richtige Erntezeitpunkt  und schnellstmögliche Kühlung könnten hier helfen, sofern Hitzesommer wie der letzte zur Normalität werden, so  Schneider. 
 Frank Kasparek von FK Aviation referierte zum Thema Hagelabwehr  mit dem Flugzeug.  Sie führe zu kleineren Hagelkörnern, sei allerdings keine Vollkasko-Versicherung. Weiterhin nötig  seien andere Maßnahmen zum Hagelschutz.