Tierhaltung | 28. Januar 2016

Infizierte Tiere aus der Herde nehmen

Von Dr. Holger Axt, Tiergesundheitsdienst der Tierseuchenkasse Baden-Württemberg
Der Ziegenzuchtverband Baden-Württemberg ist zum 1. Januar 2016 mit der Pseudotuberkulose-Richtlinie in die systematische Bekämpfung der Pseudo-Tb in Ziegenzuchtbeständen gestartet. Die Teilnahme daran ist freiwillig. Über die Krankheit und das Bekämpfungsverfahren informiert der folgende Beitrag.
Dieses Tier hat zwei Lymphknotenabszesse (siehe Pfeile) am Kopf.
Die Pseudotuberkulose (Pseudo-Tb) der Ziege ist eine chronische bakterielle Infektionskrankheit, die als typisches Symptom Lymphknotenabszesse hervorruft. Die Abszesse entstehen meist in unter der Haut gelegenen Kopf- und Körperlymphknoten. Sie brechen nach außen auf und der austretende Eiter kontaminiert die Umgebung mit großen Erregermengen, die in der Umwelt monatelang infektiös bleiben.
Klinische Erscheinungen bei Kitzen sind selten, es erkranken vor allem  erwachsene Tiere. Befallene Ziegen leben oft jahrelang mit dem Erreger, die Erkrankung kann Abmagerung und Leistungseinbußen zur Folge haben. Wenn von der Abszessbildung auch innere Organe betroffen sind, kann die Infektion zum Tod führen. Neben der Ziege ist vor allem das Schaf für die Pseudo-Tb empfänglich, aber auch Infektionen von Neuweltkameliden und Pferden sowie anderer Tiere – und in seltenen Fällen des Menschen –  sind bekannt.
Oft durch Zukauf eingeschleppt
Häufig wird die Krankheit durch Tierzukauf eingeschleppt. Innerhalb eines Bestandes kann sich die Pseudo-Tb ohne Gegenmaßnahmen immer weiter ausbreiten, da der Erreger mit dem austretenden Eiter im ganzen Stall verteilt wird. Meist infizieren sich die Ziegen über kleine und größere Verletzungen der Haut (durch Dornen, Fressgitter, Kämpfe, Parasitenbefall, Nabel der Neugeborenen etc.). Ziegenlämmer können sich auch durch das Kolostrum (Biestmilch) infizierter Muttertiere anstecken.
Typische Körperregionen für die Abszesse der Pseudo-Tb
Erkrankte Tiere erkennt man oft mit bloßem Auge an den bis zu faustgroßen, unter der Haut liegenden Abszessen, insbesondere  an  den typischen Körperregionen (Prädilektionsstellen).  Abszesse können durch Abtasten der Körperlymphknoten frühzeitig erkannt werden. Neben dieser „klinischen” Untersuchung kann man   die Bakterien aus dem Abszesseiter anzüchten  oder Antikörper im Blut bestimmen. Klinische und labordiagnostische Untersuchungen werden in der Regel kombiniert, um möglichst sichere  Ergebnisse zu erzielen.
Heilung nicht möglich
Da Antibiotika nicht bis in die Tiefe von eitergefüllten Abszessen vordringen, ist eine Heilung praktisch nicht möglich. Auch verschiedene Versuche, die Tiere durch eine Impfung zu schützen, haben nicht zu befriedigenden Ergebnissen geführt. Die einzige Möglichkeit, einen Ziegenbestand in absehbarer Zeit von der Pseudo-Tb zu befreien, ist die langfristige, engmaschige Untersuchung des Bestandes mit Erkennung und konsequenter Entfernung infizierter Tiere. Hygienemaßnahmen und hohe Anforderungen an die Biosicherheit ergänzen und beschleunigen den Erfolg von Sanierungsmaßnahmen.
Der Ziegenzuchtverband ist zum 1. Januar 2016 mit der Pseudotuberkulose-Richtlinie für Baden-Württemberg in die systematische Bekämpfung der Pseudo-Tb in Ziegenzuchtbeständen gestartet. Die Richtlinie wurde vom Schafherdengesundheitsdienst der Tierseuchenkasse in Zusammenarbeit mit dem CVUA Stuttgart und der Universität Hohenheim erstellt und bietet den Zuchtbeständen die Möglichkeit, über eine
 konsequente Bekämpfung der Krankheit den Status „Pseudo-Tb-unverdächtig” zu erreichen. Für Züchter ist der Status ein wichtiges Qualitätssiegel für den Verkauf von Zuchttieren.
Die Richtlinie sieht vor, alle Ziegen ab zwölff Monaten Lebensalter zunächst halbjährlich klinisch (durch Abtasten der Körperlymphknoten) und jährlich serologisch (durch Blutproben) auf Pseudo-Tb untersuchen zu lassen. Ein Jahr nachdem die Unverdächtigkeit des Bestandes erstmals bescheinigt wurde, werden die Untersuchungsintervalle auf jährliche klinische Untersuchungen und serologische Untersuchungen im Abstand von zwei Jahren umgestellt.
Bis Ende 2018 gelten Übergangsregelungen, die es auch Betrieben ohne Unverdächtigkeitsstatus ermöglichen, Zuchttiere zu verkaufen oder auf Ausstellungen und Viehmärkten zu präsentieren.            
Kombinieren mit CAE-Untersuchungen
Die Untersuchungen werden von einem durch den Ziegenhalter beauftragten Tierarzt durchgeführt. Um keine zusätzlichen Kosten in Form von Blutentnahmegebühren zu verursachen, sollte der Einstieg in das Bekämpfungsverfahren unbedingt mit den Blutentnahmen für die CAE-Untersuchungen synchronisiert werden. Der Tierarzt sollte also rechtzeitig über die Absicht informiert werden, in das Bekämpfungsverfahren einzusteigen!
Ausführliche Informationen über die Pseudo-Tb und die Richtlinie sind auf der Homepage des Ziegenzuchtverbandes (www.ziegen-bw.de) unter „Downloads” zu finden.