Land und Leute | 30. January 2019

Software-Lösungen für die Digi-Generation

Von Renè Bossert
„Go digital” hieß es letzte Woche in Freiburg für die Besucher einer Veranstaltung vom Bund Badischer Landjugend (BBL), bei der Lösungen für das Agrarbüro, den Betriebsmitteleinkauf und die Betriebsführung gezeigt wurden.
Die Adnova+-Software wurde in einem mobilen Agrarbüro vorgestellt.
„Daten” und „digital” waren im Haus der Bauern die Worte des Tages. Daten seien das Gold des 21. Jahrhunderts, machte Dr. Victoria von Coburg von der Firma Land-Data deutlich. Sie stellte die Vorzüge des von Land-Data entwickelten Dokumenten-Managementsystems (DMS) Adnova+ vor, gab darüber hinaus aber auch einen Überblick zu den Themen Datenschutz, Datensicherheit und Datenhoheit. „Sie sind die Digi-Generation”, sagte sie zu ihren zahlreichen Zuhörern, darunter zwei komplette Berufsschul- und Fachschulklassen aus Freiburg und von der Hochburg. Die Digi-Generation spare mit dem digitalen Agrarbüro Zeit. Die zunehmenden Nachweispflichten könnten einfacher und schneller erledigt werden. Allerdings müsse man Datenschutz und Datensicherheit ernst nehmen. Auch die Vielfalt und teilweise mangelnde Kompatibilität der Software sei ein Problem.  
Keine Leitz-Ordner mehr hin- und herfahren
Kernelement bei der Buchführung mithilfe der DMS-Software Adnova+ sei eine Art digitaler Aktenschrank, der vom Mandanten und der Buchstelle stets eingesehen werden könne. Damit könne die Buchstelle fortwährend buchen und der Mandant habe immer Zugriff auf die Belege. Mit einer App sei auch die Nutzung von Smartphones und Tablets zum Scannen möglich. Die BLHV-Buchstelle arbeite mit der Adnova-Software, deren Kosten der Referentin zufolge für die Betriebe bei 120 bis 150 Euro pro Jahr liegen.Mit Adnova+ sei auch ein gesetzeskonformes Arbeiten im Sinne der Grundsätze zur ordnungsgemäßen Buchführung und zum Datenzugriff (GoBD) möglich. Laut der seit 2017 geltenden GoBD müssen beispielsweise digitale Rechnungen auch digital archiviert werden – eine ausgedruckte pdf-Datei sei nicht das Original. Dies könne bei Betriebsprüfungen seit 2018 beanstandet werden. Eingescannte Papierbelege dagegen können das Original ersetzen – zumindest der Steuerverwaltung gegenüber. Im Blick auf das Zivilrecht müssen Papierbelege trotzdem weiter aufbewahrt werden. Die GoBD sehe auch vor, dass Vorfälle zeitgerecht gebucht werden, das heißt für bare Geschäftsvorfälle täglich und für unbare nach maximal zehn Tagen. Digitale Daten müssten auch gesichert werden und dauerhaft lesbar sein. Das sei bei  Adnova+  über die Speicherung in den beiden  Land-Data-Rechenzentren gewährleistet. Die Datenhoheit nehme Land-Data ernst. „Die Daten gehören Ihnen”, stellte Victoria von Coburg klar. Das sei nicht in allen Bereichen in der sich digitalisierenden Landwirtschaft so, Claas und John Deere beispielsweise hätten sich jeweils eigene Rechenzentren gebaut, weil sie Daten im eigenen Unternehmen halten wollten und meinten, dass Daten in Zusammenhang mit der Maschinennutzung ihnen gehörten.
Anforderungen an ein modernes Büro
Ein Büro sollte heutzutage hell und freundlich wirken und groß genug sein und optimalerweise über einen angrenzenden Besprechungsraum verfügen. Zwei Bildschirme seien Standard, sagte Victoria von Coburg. Wenn es die Möglichkeit eines Glasfaser-Anschlusses gebe, sollte man daran nicht sparen. Genügend Steckdosen und Ladestationen für Mobilgeräte brauche es. Flachbettscanner seien nicht überflüssig, sondern beispielsweise für die Digitalisierung eines Notarvertrages nützlich. 
Handelsplattform im Netz
Thomas Schmidt stellte die Online-Handelsplattform Agrando vor.
Thomas Schmidt stellte die Online-Handelsplattform Agrando vor, die seit Juni 2018 online ist. Mittlerweile hat die Firma mit Sitz in München rund 20 Beschäftigte.  Agrando sei kein Händler, sondern wolle Landwirten und Landhändlern dabei helfen, gemeinsam den digitalen Wandel zu bewältigen, stellte Schmidt klar. Agrando wolle  kein Online-Shop wie Amazon sein, sondern ein Netzwerk, innerhalb dessen auch das Teilen von Informationen wichtig sei, betonte Schmidt. Bei Online-Shops fehle die Service-Komponente, die aber bei  landwirtschaftlichen Produkten  sehr wichtig sei. Im Moment kann man  über die Plattform Betriebsmittel einkaufen. Rund 2000 Landwirte sind registriert – was kostenlos ist –, dazu kommen 70 Händler und rund zehn Hersteller. Ausschließlich die Hersteller finanzieren über die Bezahlung von Analysedaten die Plattform, so das Modell.  Wer Betriebsmittel kaufen will, stellt eine Anfrage nach dem Produkt. Die Händler können dann kundenindividuelle Angebote abgeben. Die Daten im Bezug auf die  Anfrage werden in der Agrando-Community auch anonymisiert weitergegeben. Große Landhändler wie die BayWa oder andere Hauptgenossenschaften seien bei Agrando noch nicht Mitglied, sagte Schmid. „Wir sind neu – manche belächeln uns, manche beäugen uns”, so der Referent.
Digitaler Full-Liner
Die Next Farming-Softwarefamilie präsentierte Christian Krekow von der Firma Farm Facts GmbH,  einer BayWa-Tochter. Die Firma gibt es bereits seit 1986, sie hat 150 Mitarbeiter und 35000 Kunden, bisher vorwiegend in Ostdeutschland und Osteuropa. Die zahlreichen Anwendungen und angebotenen Dienstleistungen wie Ackerschlagkartei, automatische Lenksysteme, Teilflächen-Management, Vermessung, Drohnen oder Wetterstationen seien aber auch für süddeutsche Betriebe von Nutzen. „Wir sind ein digitaler Full-Liner und der einzige Schlagkarteianbieter mit Außendienst”, sagte Krekow.
Weitere Infos unter www.adnova.de; www.agrando.de und www.nextfarming.de