Tierhaltung | 16. Juli 2015

Genetische Ursache entdeckt

Von Redaktion
Eine genetische Disposition ist für erhöhte Kälberverluste bei der Rasse Holstein verantwortlich. Dies haben deutsche Forscher herausgefunden. Verbreitet wurde die Mutation durch den nordamerikanischen Bullen Maughlin Storm.
Nur Kälber, die die Mutation homozygot tragen, erkranken.
In der Praxis waren  Kälber ähnlicher Abstammung aufgefallen, die sich  unzureichend entwickelten, an Appetitlosigkeit und zunehmendem Kräfteverfall litten und letztendlich an nicht therapierbaren Durchfallerkrankungen verstarben. Eine  Forschungsgruppe des vit in Verden, des Tierzuchtinstituts Kiel, der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover sowie der TU München griff diese Hinweise auf und führte entsprechende Untersuchungen durch. Basierend auf den Möglichkeiten der Genomanalyse, die verbesserte Erkenntnisse über die Vererbung bei Rindern liefert, wurde ein Abschnitt im Erbgut (Haplotyp) identifiziert, der mit erhöhter Kälbersterblichkeit einhergeht. Ebenfalls ermittelte die Gruppe eine Beziehung zwischen der entdeckten, veränderten Genomregion und einem gestörten Cholesterinstoffwechsel.
Verwandtschaftsanalysen ergaben, dass der einflussreiche nordamerikanische Bullenvater Maughlin Storm Träger dieser Mutation ist. Durch seinen intensiven Einsatz und den seiner Nachkommen konnte sich diese Mutation über mehrere Generationen international in nahezu allen Holsteinpopulationen verbreiten.
Mithilfe des aus den Erkenntnissen entwickelten Haplotypentests lässt sich mit etwa 80-prozentiger Sicherheit vorhersagen, welche Tiere eine erbliche Veranlagung für diese Erkrankung aufweisen. Auswertungen des vit ergaben eine Frequenz von circa 8 % Anlageträgern in der deutschen Holsteinpopulation. Daraus ergibt sich, dass rund 0,16 % der aktuell geborenen Kälber die Mutation homozygot tragen und erkranken. Die Anpaarung identifizierter Anlageträger kann durch Nutzung der Haplotypeninformation vermieden werden. Dies stellt eine Maßnahme dar, Kälberverluste zu vermindern.
Bullenliste im Internet
Derzeit arbeiten die Forscher   an der Identifikation der ursächlichen Mutation, um die Sicherheit der Trägervorhersage zu  erhöhen. Außerdem  wurden die Ergebnisse am zweiten Juliwochenende  auf der  Interbulltagung in Orlando vorgestellt, um das weitere  Vorgehen auf internationaler Ebene  abzustimmen. Listen von deutschen KB-Bullen und in Deutschland eingesetzten ausländischen KB-Bullen, die von dem Gendefekt betroffenen sind,  wurden auf der Homepage des vit (www.vit.de) veröffentlicht.