Betrieb und Wirtschaft | 20. April 2017

Hähne sollen auch etwas wert sein

Von René Bossert
Die Aufzucht der männlichen Küken aus der Legehennenhaltung hat sich die Initiative „Huhn & Hahn” auf die Fahnen geschrieben. Rentabel werden soll das durch höhere Eierpreise und eine clevere Vermarktung des Hähnchenfleisches.
„Wer Huhn sagt, muss auch Hahn sagen”, ist die Devise von Christoph Hönig – sprich die männlichen Küken aus der Legehennenhaltung sollte man aus Tierschutzgründen heutzutage auch aufziehen. Der Hühnerhalter aus Mühlingen ist Mitglied bei der Werbegemeinschaft 08-Eier aus Baden-Württemberg. Die Gemeinschaft mit ihren rund 40 Mitgliedern hat die Initiative aus der Taufe gehoben.
Bis dato haben neben Hönig erst zwei weitere 08-Mitglieder Tiere der für das Projekt verwendeten Rasse Sandy eingestallt. Weitere Betriebe werden aber dazukommen. Ziel ist, dass 2017 50000 Hähne vermarktet werden.
Bei der Initiative werden Tiere der Rasse Sandy eingesetzt. Die Hähne werden schwerer als bei den Legerassen.

Partner bei der Initiative sind außerdem Edeka Südwest, die Firma Bürger aus Ditzingen,  das elsässische Unternehmen Bruno Siebert mit Sitz in Ergersheim bei Straßburg, das Großhandelsunternehmen Okle aus Singen, die Diakonie Ravensburg sowie eine Metzgerei und ein Eiererzeuger aus Bayern. 
Jährlich werden in Deutschland etwa 45 Millionen männliche Küken direkt nach dem Schlüpfen getötet. Denn die Aufzucht von Hähnen aus der Legehennenhaltung ist im Vergleich zu Masthähnchen unrentabel.  
Drei Cent mehr pro Ei
Bei der Initiative werden alle Küken gemeinsam großgezogen. Nach etwa 34 Tagen kommen die Hähne in einen separaten Stall und dürfen, sobald sie alt genug sind, zum Auslauf ins Freie. Geschlachtet werden sie in einem Alter von 13 bis 14 Wochen mit einem Lebendgewicht von 1400 bis 1500 Gramm. Finanziert wird die Aufzucht der Hähne zum einen durch einen Preisaufschlag von drei Cent auf die Eier, zum anderen durch den Verkauf des Hähnchenfleisches.
Mit dem fettarmen Fleisch der Hähne produziert die Firma Bürger Maultaschen mit Hähnchenfleisch. Die Firma Bruno Siebert bietet Geflügelwurst und ganze Hähnchen an. „Wenn uns die Kunden folgen, kann in den nächsten fünf Jahren unsere Initiative eine historische Veränderung im Umgang mit den männlichen Küken erreichen”, hofft der Initiator Hönig.
Bei Freiland- und Bio-Ware sieht er weniger Probleme, bei der Bodenhaltung sei die Frage, wie die Abnehmer in der Gastronomie und in Kantinen reagieren. Die Initiative hat sich für die Rasse Sandy entschieden, die von der Firma Lohmann gezüchtet wird.  Die Eier der Rasse sind cremefarben und damit von konventionellen Eiern gut zu unterscheiden. „Das hat auch Marketing-Vorteile für uns”, erklärt Hönig.
Einsatz einer Zweinutzungs-Rasse
Sandy ist keine klassische Zwei-Nutzungs-Rasse, aber die Hähne sind doch etwas schwerer als bei den Legerassen. Die Rasse wird in Asien eingesetzt, wo der Hahn auch oft verwertet wird. „Aber wir nutzen die Hähne, deshalb ist es für uns eine Zwei-Nutzungs-Rasse”, sagt Hönig.
Seit Kurzem werden tierschutzgeprüfte Premium-Freilandeier in Achter-Packungen oder braune und cremefarbene Bio-Eier in Sechser- und Zehner- Packungen angeboten. Erhältlich sind die Produkte in den Märkten der Edeka Südwest – zu erkennen am rotem Streifen und dem Logo der „Huhn & Hahn Initiative” auf der Verpackung.  
Die Aufzucht der Hähne bedeute einen Mehraufwand. Dafür seien diese Hähnchen aber extrem fit, weil sie auch auf die grüne Wiese gelassen werden. Zum Verzehr angeboten werden also echte Freiland-Hähne, die vital und beweglich sind und nur selten den Tierarzt  benötigen.  
Die Initiative sucht noch Aufzuchtbetriebe für die Masthähne. Benötigt wird ein Stallgebäude, dazu kommen ein Wintergarten und eine Auslauffläche. Gut ist eine Stallgröße von 400 Quadratmetern, in diesem Fall werden gut 5000 Quadratmeter Auslauffläche benötigt. Interessenten können sich mit Christoph Hönig unter Telefon 07775/93000 oder christoph.hoenig@hoenig-hof.de in Verbindung setzen.