Tierhaltung | 20. April 2017

Badische Imkern haben viele Bienen verloren

Von Bruno Binder-Köllhofer, Fachberater Imkerei, RP Freiburg
Die alljährliche bundesweite Umfrage des Fachzentrums Bienen und Imkerei in Mayen/Rheinland-Pfalz zum Überleben von Bienenvölkern im Zeitraum Oktober bis März weist wieder höhere Verlustraten auf. Auch die badischen Imker sind davon betroffen.
Bienenvolk kurz vor dem Zusammenbruch. Die Brut ist schon stark parasitiert, der Anteil gesunder Zellen ist gering.
Damit hat sich die Prognose, die sich aufgrund der gemeldeten Verluste im Herbst ankündigte, bewahrheitet. Zwar ist die Umfrage noch nicht vollständig abgeschlossen, doch die bisherige  Beteiligungsrate gibt ausreichend sichere Hinweise. Von den  Imkern aus Baden-Württemberg werden Völkerverluste von im Schnitt 19,1 % gemeldet (Bundestrend: 18–20 %).  Im Regierungsbezirk  Freiburg liegen diese mit 21 % knapp darüber, im Regierungsbezirk Karlsruhe mit 16 % deutlich darunter.
Üblicherweise gehen Imker von einer Winterverlustrate von etwa 10 % aus. Alle zwei Jahre schwanken diese Werte nach oben und es kommt immer wieder zu höheren Verlusten von 15 bis 20 % und darüber. Dies ist der Empfindlichkeit des Bienenvolkes geschuldet. Ein Honigbienenvolk überwintert mit anfänglich 8000 bis 12000 Stockbienen und einer Königin. Die Arbeitsbienen müssen im Winter fünf bis sechs Monate überdauern statt lediglich sechs Wochen im Sommer. Gleichmäßig kaltes Wetter wie im Winter 2016 / 2017 wird sehr gut vertragen und ist weitaus weniger belastend als abwechselnd Wärme und Kälte.
Entscheidend sind jedoch eine ausreichende Bienenmenge, die Gesundheit und Konstitution der Einzelbienen, die im Herbst aufgezogen wurden, eine ausreichende Futterreserve und eine vitale Königin.
Verlustursachen
Seit 2004 läuft das  Deutsche Bienen-Monitoring, das von den  Bieneninstituten betreut und vom Bundeslandwirtschaftsministerium gefördert wird. In jedem Bundesland sind mehrere Imker repräsentativ mit zehn Völkern ausgewählt. Die Auswertungen zeigen seit Jahren, dass höhere Winterverluste zu weit über 90 % auf die Varroose zurückzuführen sind. Als Varroose wird der Komplex Varroamilben und Viren, die mit diesen vergesellschaftet sind, bezeichnet.
Der Brutparasit Varroamilbe vermehrt sich in den Brutzellen. In der verdeckelten Zelle wird die sich entwickelnde Puppe angestochen und ihre Körperflüssigkeit dient der Milbe als Nahrung. Durch  die Saugtätigkeit werden die körpereigenen Reserven reduziert, die natürlichen Immunreaktionen der betroffenen Puppe unterdrückt, Viruspartikel in deren Gewebe verteilt und eine starke Virusvermehrung ausgelöst. Solcherart parasitierte Bienen können sogar noch augenscheinlich gesund aussehen, haben aber nur eine äußerst reduzierte Lebenserwartung. Sie leben selten bis zum Frühjahr und wenn doch, so können sie dann  nicht die erforderliche Brutpflege leisten. Varoose-Völker verlieren ab dem Herbst bis zum Winter hin laufend Bienen. Sie haben dann nicht mehr die erforderliche Bienenmenge, um die Mindeststocktemperatur halten zu können, oder es fehlen im Frühjahr die Bienen, die die neue Generation aufziehen.
Zusätzlich kritisch zu sehen war ab August 2016 ein später Honigtaueintrag in einzelnen Regionen des Schwarzwaldes. Dieser spät gesammelte Honigtau wurde als Winterfutter eingelagert, belastet jedoch den Darm der Bienen, besonders wenn es sich um Melezitosehonig  handelt (hart kristallisierender Dreifachzucker).
Wenngleich einzelne Imker deutlich höhere Verluste aufweisen können, haben viele andere wiederum fast keine zu verzeichnen. Insgesamt gesehen können die fehlenden Bienenvölker innerhalb eines Jahres durch verstärkte Ablegerbildung wieder ersetzt werden. Für den betroffenen Imker ist das natürlich ein schwacher Trost, denn durch die starke Aufteilung sind diese Völker meist zu schwach zur Honigernte. Das ist besonders bitter, da in 2017 die Prognosen für eine Waldtracht gut sind.
Zuwachs
In Baden hat in den letzten Jahren – wie insgesamt in Deutschland –   nicht nur die  Zahl der  Hobbyimker wieder zugenommen, sondern auch  die der gehaltenen Bienenvölker,  so dass absolut gesehen genügend Honigbienen zur Bestäubung vorhanden sein dürften.  Aktuell sind im  Landesverband Badischer Imker 9000 Mitglieder mit im Schnitt acht Völkern gemeldet, wobei Einsteiger in die Imkerei in den ersten Jahren  selten mehr als drei Völker betreuen. Der Organisationsgrad liegt bei über 95 %.