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Freitag, 18.05.12
 
Badische Bauern Zeitung vom Samstag, 15. Oktober 2011

Ernte ist ein Bild für das Zusammenwirken von Gott und Mensch

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Im Münster gestalteten die Landfrauen des Bezirks Breisgau-Hochschwarzwald einen wunderschönen Erntedank-Altar. (Foto: Bruskowski)
 In seiner Predigt erinnerte Erzbischof Dr. Robert Zollitsch daran, dass Landwirtschaft eine gesellschaftliche Aufgabe ist. Aus der Pflege von Land und Landschaft "erwachsen Gaben, die wir alle umso mehr genießen dürfen, je mehr wir bereit sind, den Preis zu zahlen, der zugleich dem Produkt entspricht und den Hüter der Natur leben lässt".

In seiner Predigt erinnerte Erzbischof Dr. Robert Zollitsch daran, dass Landwirtschaft eine gesellschaftliche Aufgabe ist. Aus der Pflege von Land und Landschaft "erwachsen Gaben, die wir alle umso mehr genießen dürfen, je mehr wir bereit sind, den Preis zu zahlen, der zugleich dem Produkt entspricht und den Hüter der Natur leben lässt". Für den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz stiftet
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Geschätzte 1200 Gläubige aus Stadt und Land kamen zum Gottesdienst mit Landvolkpfarrer Thomas Dietrich (links) und Erzbischof Robert Zollitsch. (Foto: Bruskowski)
  Ernte Begegnung: "Man war in den Zeiten, als noch mehr Handarbeit als Maschineneinsatz die Landwirtschaft prägte, auf die gegenseitige Hilfe angewiesen." Ernte stifte aber auch Begegnung zwischen Mensch und Gott. In ihrer ganz eigenen Weise lasse die Lesung aus dem Buch des Propheten Joel etwas von dem Anliegen dieser Feier erahnen: Landwirtschaft und Erntedank kommen in die Stadt. "Bauernfamilien bringen die Freude eines gesegneten Jahres mit und teilen sie mit denen, für die das tägliche Brot vielleicht schon allzu selbstverständlich geworden ist". Von solcher Selbstverständlichkeit wisse das Evangelium auf seine Weise zu erzählen: "Es trifft mitten hinein in eine Situation, in der unsere Freude über die Ernte auch nachdenkliche Momente kennt. Denn die Freude über die Ernte ist schwieriger geworden in einer Welt, die in rascher Folge steigende und fallende Lebensmittelpreise erlebt, in der wir zunehmend erfahren müssen, dass Ernten -- noch bevor sie in der Scheune sind -- zum Objekt der Spekulation werden. Es muss uns nachdenklich stimmen, wenn mit Nahrungsmitteln spekuliert wird. Wenn das, was zum Lebensunterhalt dient, zum reinen Objekt der Gewinnmaximierung wird. Wenn allzu sehr vergessen wird: Die Gaben der Ernte sind keine Rohstoffe, sondern Lebensmittel."

Genau diesen Blickwinkel nimmt Jesus im Lukas-Evangelium auf den reichen Kornbauern ein, wenn er sich mit einer deutlichen Warnung vor der Habgier zu Wort meldet. Jesus verliere kein mahnendes Wort darüber, dass der reiche Mann arbeitet und erntet, ja, dass er größere Scheunen bauen und seine Gaben genießen will. "Aber er setzt dort kritisch an, wo der Mann alles für sich behalten will. Wo die Ernte nicht Gemeinschaft stiftet, sondern Habgier und Egoismus nährt", so Zollitsch. Er arbeitete aus Prophetenlesung und Gleichnis sehr schön heraus, dass die Ernte ein Geschenk Gottes für alle Menschen ist.

Damit sei Erntedank ein Schöpfungsfest, ein Dankfest an den Schöpfer und Erinnerung an seine Gerechtigkeit. Landwirtschaft sei nicht einfach Produktion, sondern auch Pflege der Schöpfung und alltägliches Zusammenwirken mit dem Schöpfer. Landwirtschaft sei ein Bild für das Zusammenwirken von Gott und Mensch in der Welt. Zollitsch wünschte bäuerlichen Familien, dass sie in ihrer schweren Arbeit sensibel bleiben für diese geistliche Dimension ihres Tuns.

Zollitsch räumte ein, dass die Dinge nicht so einfach seien, wie er sie zu sagen versuche. Landwirtschaft sei heute dem globalen Markt unterworfen. Sie stehe vor enormen Herausforderungen. Zu entscheiden, was richtig oder falsch ist für die Zukunft der Landwirtschaft, sei nicht immer einfach. Der Erzbischof erinnerte an die beeindruckende Rede von Papst Benedikt vor dem Deutschen Bundestag. Dort habe er die Frage gestellt, woher das Recht komme, und er habe auf die Natur, das Naturrecht und damit letztlich auf Gott als den Grund aller Wirklichkeit verwiesen. Die Feier des Erntedankfestes in Freiburg füge sich nahtlos ein in diesen Gedanken. Freude sei nicht möglich ohne den Blick auf Gott als den Geber der Gaben und ohne den Gedanken des Miteinanders und des Teilens. So lege es der Prophet Joel den Menschen ans Herz. "Wir können nicht feiern, ohne die Grundfragen der Gerechtigkeit zu stellen." Er würdigte die Idee des BLHV, Produzenten und Konsumenten in der Stadt zusammenzubringen. Erntedank sei nicht nur ein Fest für die noch eng mit der Natur Lebenden und Arbeitenden. Es gehöre mitten in die Stadt. Das Fest will uns einladen, Gedankenlosigkeit zu überwinden und daran zu denken, dass "wir von menschlicher Gemeinschaft leben und dass wir Geschöpfe sind und alles, was wir sind und haben, einem anderen verdanken: Gott". Gerechtigkeit sei nicht nur Geschenk und Anspruch Gottes an uns Menschen, sondern zugleich der Schlüssel zu echter menschlicher Gemeinschaft. Der Mensch lebe aus dem Geheimnis des Miteinanders, aus Geben und Nehmen, aus Teilen und Empfangen.

Das alltägliche Teilen nehme aber immer wieder den Charakter des Handelns ein. Dabei gerecht zu sein, sei der Anspruch Gottes an uns Menschen. Eine Weltgesellschaft, in der ganze Regionen unter Armut und Hoffnungslosigkeit leiden, habe auf Dauer keine Zukunft. "Zukunft kann nur dort sein, wo wir dem Auftrag Gottes, Gerechtigkeit zu schaffen, zwischen uns Raum geben". Seine Predigt beendete er mit dem Satz: "Die Gaben sind hier reichlich ausgebreitet auf den Stufen und vor dem Ambo. Sie wollen unseren Hunger stillen und uns reich machen -- nicht zuerst auf dem Konto, sondern in unserem Herzen und in unseren Begegnungen: Dank sei Gott für sein unfassbares Geschenk."




 
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